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Die Debatte um das Todesdatum Jesu

Der Artikel analysiert die vorgeschlagenen Daten für den Tod Jesu, den 7. April 30 und den 1. April 33 n. Chr., auf der Grundlage der Evangelien, der Geschichte und astronomischer Berechnungen.

24 Min. Tod Jesu Chronologie Passah Evangelien 25 Verse 5 Bücher

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Einleitung

Diese Studie ist ein Baustein unserer Untersuchung, die der Erstellung einer Chronologie des Lebens des Messias Jesus auf der Grundlage der Prophezeiung der siebzig Wochen Daniels gewidmet ist (Daniel 9.24-27). Sie ist im Zusammenhang mit den übrigen Studien dieser Reihe zu verstehen, die jeweils ergänzende historische, kalendarische und biblische Angaben beisteuern. Zusammen bilden diese Arbeiten eine in sich stimmige Analyse, die darauf abzielt, die Abfolge der in den Evangelien berichteten Ereignisse so genau wie möglich zu rekonstruieren.

Die Datierung des Todes Jesu gehört zu den am meisten diskutierten Problemen der neutestamentlichen Forschung. Obwohl die Evangelien darin übereinstimmen, die Kreuzigung unter der Statthalterschaft des Pontius Pilatus (Lukas 23.1) und in enger Verbindung mit dem jüdischen Passahfest (Johannes 19.14) anzusiedeln, nennen sie kein ausdrückliches Datum nach unserem heutigen Kalender.

Die genaue Bestimmung dieses Ereignisses beruht daher auf einer Rekonstruktion, die Schriftangaben, historische Quellen und astronomische Berechnungen miteinander abgleicht.

In diesem Rahmen wurden zwei Hauptdaten vorgeschlagen, die die heutige Debatte weiterhin prägen: der 7. April 30 und der 1. April 33 n. Chr. Diese beiden Hypothesen unterscheiden sich nicht nur durch einen zeitlichen Abstand von drei Jahren, sondern auch durch die Deutungsmodelle, die ihnen zugrunde liegen.

Sie ziehen unterschiedliche Rekonstruktionen der Dauer des Dienstes Jesu, der Chronologie Johannes’ des Täufers und der Verbindung zwischen den Evangelien und den historischen Angaben des 1. Jahrhunderts nach sich.

Ziel dieser Studie ist es, diese beiden Vorschläge im Licht der biblischen Texte zu prüfen, insbesondere der von Lukas gelieferten Synchronismen (Lukas 3.1-2) und der zeitlichen Struktur der Prophezeiung Daniels (Daniel 9.24-27), um ihre jeweilige Stimmigkeit zu beurteilen.

I. Historiographischer Ursprung der Daten des 7. April 30 und des 1. April 33 n. Chr.

Die beiden von der modernen Forschung vertretenen Daten ergeben sich aus dem Zusammentreffen jüdischer Kalendervorgaben und astronomischer Berechnungen zum Mondkalender. Die Evangelien geben an, dass Jesus an einem Freitag gekreuzigt wurde, am Vorabend des , am Rüsttag des Passahfestes (Markus 15.42 ; Johannes 19.31). Da das Passahfest auf den 14. Nisan festgelegt war (2. Mose 12.6), lassen sich durch astronomische Rückrechnung die Jahre des 1. Jahrhunderts ermitteln, in denen dieses Datum auf einen Freitag fällt.

Diese Berechnungen führen hauptsächlich zu zwei Möglichkeiten, die mit dem historischen Rahmen der Statthalterschaft des Pontius Pilatus (26–36 n. Chr.) vereinbar sind: die Jahre 30 und 33. So entsprechen der 7. April 30 und der 1. April 33 n. Chr. beide einem 14. Nisan, der nach den Kalenderrekonstruktionen auf einen Freitag fällt.

Die Wahl zwischen diesen beiden Daten beruht jedoch nicht allein auf astronomischen Angaben. Sie hängt auch von umfassenderen historiographischen Rekonstruktionen ab, insbesondere vom Todesjahr Herodes’ des Großen, das gewöhnlich auf 4 v. Chr. gelegt wird, sowie von der Auslegung der chronologischen Hinweise der Evangelien, vor allem des Alters Jesu (Lukas 3.23) und des Beginns des Dienstes Johannes’ des Täufers (Lukas 3.1-2). Folglich fügt sich jedes dieser Daten in ein umfassendes Erklärungsmodell ein, das die biblischen und historischen Angaben unterschiedlich verbindet.

II. Kritische Erörterung der konkurrierenden chronologischen Hypothesen

Die Datierung des Todes des Messias Jesus ist einer der am meisten diskutierten Punkte der neutestamentlichen Chronologie. Üblicherweise werden zwei Hauptdaten vorgeschlagen: der 7. April 30 und der 1. April 33 n. Chr. Das erste wurde in der modernen Geschichtsschreibung oft bevorzugt, vor allem wegen einer anderen chronologischen Hypothese, nämlich des Todes Herodes’ des Großen im Jahr 4 v. Chr.

Diese Konstruktion wirft jedoch mehrere gewichtige Schwierigkeiten auf, wenn man sie sorgfältig mit den biblischen Angaben konfrontiert.

III. Eine Datierung, die von einer historiographischen Voraussetzung abhängt

Die Bevorzugung des Jahres 30 ergibt sich nicht zuerst aus den Evangelien selbst, sondern aus einem vorgängigen chronologischen Rahmen, der dem Text aufgezwungen wird. Wenn man nämlich den Tod Herodes’ auf 4 v. Chr. legt, muss man die Geburt Jesu vor dieses Datum setzen, oft um 6 oder 5 v. Chr.

Diese Rekonstruktion drängt dann dazu, eine Kreuzigung im Jahr 30 n. Chr. zu bevorzugen, um Jesus beim Beginn seines Dienstes ein Alter von „etwa dreißig Jahren“ zu belassen (Lukas 3.23).

Mit anderen Worten: Der 7. April 30 n. Chr. wird nicht einfach aus den biblischen Texten abgeleitet; er ergibt sich aus einer Kette von Hypothesen, die außerhalb des Textes liegen und ihm dann aufgezwungen werden. Eine solche Methode birgt ein offensichtliches Risiko: das Risiko, das Bibelverständnis von einem vorgängigen Modell abhängig zu machen, statt die Schriftquellen selbst die Chronologie gestalten zu lassen.

IV. Die große Schwierigkeit von Lukas 3,1-2

Der stärkste Einwand gegen das Datum des 7. April 30 n. Chr. liegt in den sehr genauen chronologischen Angaben des Lukas. Der Evangelist begnügt sich nicht mit einem vagen Rahmen; er verortet den Beginn des Dienstes Johannes’ des Täufers in einer Reihe zusammenlaufender historischer Anhaltspunkte: das fünfzehnte Regierungsjahr des Tiberius, die Statthalterschaft des Pontius Pilatus in Judäa, die des Herodes in Galiläa, des Philippus in Ituräa und Trachonitis, des Lysanias in Abilene sowie das Hohepriestertum des Hannas und des Kajaphas (Lukas 3.1-2).

Diese Häufung von Synchronismen zeigt deutlich, dass Lukas eine ernsthafte, nachprüfbare Datierung bieten will und nicht eine bloß literarische Annäherung. Übernimmt man für die Kreuzigung den 7. April 30 n. Chr. und behält man die Struktur der letzten Woche Daniels als zwei gleich lange Zeiträume von dreieinhalb Jahren bei (Daniel 9.27), so muss die Taufe Jesu auf etwa den Herbst 26 n. Chr. und der Beginn des Dienstes Johannes’ des Täufers je nach Berechnung auf etwa 22 oder 23 n. Chr. zurückverlegt werden. Eine solche Folgerung steht in direktem Widerspruch zu den Angaben des Lukas, denn Pontius Pilatus war zu jener Zeit noch nicht im Amt.

Folglich erzeugt das Datum des 7. April 30 n. Chr. nicht bloß eine Nebenspannung: Es untergräbt die Stimmigkeit des vom Evangelisten ausdrücklich gegebenen historischen Rahmens selbst.

V. Das Zeugnis des Lukas darf nicht als bloße Annäherung behandelt werden

Manche Autoren neigen dazu, die historische Tragweite von Lukas 3.1-2 zu mindern, als dienten diese Angaben nur dazu, der Erzählung allgemeines historisches Kolorit zu verleihen. Eine solche Lesart erscheint verkürzend. Lukas wendet hier eine für die antike Geschichtsschreibung charakteristische Methode an: Er ordnet ein Ereignis nach den amtierenden zivilen und religiösen Autoritäten ein. Dieses Verfahren zielt offenkundig darauf, den Bericht in der wirklichen Geschichte zu verankern.

Dieser Punkt ist umso wichtiger, als Lukas zu Beginn seines Werkes versichert, den Ereignissen sorgfältig nachgegangen zu sein, um sie in geordneter Weise darzustellen (Lukas 1.1-4). Es wäre daher methodisch widersprüchlich, Lukas im Vorwort eine geschichtsschreiberische Absicht zuzuerkennen, die von ihm gelieferten chronologischen Einzelangaben aber zu relativieren, sobald sie für bestimmte moderne Hypothesen bindend werden.

Mit anderen Worten: Wenn man Lukas als Geschichtsschreiber ernst nimmt, wird es schwierig, eine Rekonstruktion aufrechtzuerhalten, die den Beginn des Dienstes Johannes’ des Täufers vor die Anhaltspunkte setzt, die er selbst sorgfältig festgelegt hat.

VI. Die Stimmigkeit des Datums 33 mit Daniel und den Evangelien

Demgegenüber bietet das Datum des 1. April 33 n. Chr. für die Kreuzigung und des 3. April 33 n. Chr. für die Auferstehung einen bemerkenswerten methodischen Vorteil: Es erlaubt, die Prophezeiung Daniels und die Angaben der Evangelien ohne größeren Widerspruch miteinander zu verbinden.

Die Struktur der 70 Wochen (Daniel 9.24-27) führt zu einer letzten Woche, die in zwei Hälften geteilt ist. Die zweite Hälfte endet mit dem Tod des Messias, der nach dem prophetischen Wortlaut „weggetilgt“ wird (Daniel 9.26). Legt man dieses Ende in das Frühjahr 33 n. Chr., ergibt sich ein Beginn des Dienstes Jesu im Herbst 29 n. Chr., was dem von Lukas gegebenen Rahmen (Lukas 3.1-3) und der Angabe, Jesus sei damals „etwa dreißig Jahre alt“ gewesen (Lukas 3.23), weit natürlicher entspricht.

Das Datum 33 n. Chr. erlaubt somit eine harmonisierte Lesart der Quellen, während das Datum 30 n. Chr. dazu zwingt, entweder Daniel oder Lukas oder beide zu korrigieren oder zu relativieren.

VII. Das Problem der Verkürzung der Dauer des Dienstes Jesu

Das Datum des 7. April 30 n. Chr. bringt noch eine weitere Schwierigkeit mit sich: Es neigt dazu, den öffentlichen Dienst Jesu übermäßig zu verkürzen oder dazu zu nötigen, die im Johannesevangelium berichtete Abfolge der Feste künstlich umzugestalten. Dieses Evangelium erwähnt jedoch mehrere Hinaufreisen nach Jerusalem und mehrere Festangaben, namentlich verschiedene Passahfeste (Johannes 2.13 ; Johannes 6.4 ; Johannes 11.55). Dieses Gerüst legt einen Dienst nahe, der sich über mehrere Jahre erstreckt, und nicht über einen zu kurzen Zeitraum.

Gewiss bleibt die Auslegung der genauen Zahl der Passahfeste umstritten. Das Datum 33 n. Chr. erlaubt es jedoch leichter, diese verschiedenen Anhaltspunkte in eine stimmige Abfolge einzufügen. Das Datum 30 n. Chr. dagegen presst die johanneische Erzählung zusammen und verengt den Auslegungsspielraum.

VIII. Eine übermäßige Abhängigkeit vom vermuteten Todesjahr Herodes’

Der systematische Rückgriff auf das Jahr 4 v. Chr. zur Datierung des Todes Herodes’ verdient eine vorsichtige Prüfung. Obwohl diese Datierung heute in der Geschichtswissenschaft die Mehrheitsmeinung ist, darf sie nicht als unbestreitbares Axiom gelten, dem sich die biblischen Texte notwendig anzupassen hätten. Einmal ohne Diskussion angenommen, bestimmt sie nämlich die gesamte Chronologie der Geburt Jesu, dann die seiner Taufe und schließlich die seiner Kreuzigung.

Mehrere Forscher haben jedoch eine andere Hypothese vorgeschlagen, die den Tod Herodes’ in das Jahr 1 v. Chr. legt, gewöhnlich in das Frühjahr, nach der Mondfinsternis vom 10. Januar 1 v. Chr. Dieser Ansatz, den namentlich einige Kenner der chronologischen Angaben des Flavius Josephus vertreten, erlaubt es, mehrere historische und evangelische Elemente besser in Einklang zu bringen, insbesondere die Hinweise zur Geburt des Messias Jesus und zu dem ungefähren Alter, das er bei Beginn seines Dienstes hatte (Lukas 3.23).

Unter diesen Umständen kann die Frage nicht als endgültig entschieden gelten. Die Debatte bleibt offen, nicht zuletzt weil die chronologischen Rekonstruktionen weitgehend auf der Auslegung der Angaben des Josephus, der Königsregierungen und der astronomischen Phänomene beruhen, die mit den in den antiken Quellen erwähnten Mondfinsternissen verbunden sind.

Es gilt daher, an eine wesentliche methodische Forderung zu erinnern: Eine historische Hypothese, auch wenn sie weithin angenommen ist, kann nicht ohne kritische Überprüfung genügen, um eine in sich stimmige Gesamtheit textlicher Angaben für ungültig zu erklären. Wenn eine außerbiblische Hypothese dazu führt, mehrere innere Aussagen der Evangelien abzuschwächen oder umzudeuten, ist es berechtigt, nach der Tragfähigkeit dieser Hypothese selbst zu fragen.

IX. Eine Frage der Methode: vom Text ausgehen oder ihm einen Rahmen aufzwingen?

Im Grunde lässt sich die Debatte zwischen den Daten 30 und 33 nicht auf eine Berechnungsdifferenz reduzieren. Sie wirft eine grundsätzlichere Frage auf: Welche Quelle soll die chronologische Rekonstruktion ordnen?

Zwei Vorgehensweisen sind möglich:

  • entweder von einem vorgängigen historiographischen Schema auszugehen und dann die biblischen Texte diesem Rahmen anzupassen;
  • oder von den inneren Hinweisen der Schrift auszugehen und sie dann mit den verfügbaren historischen Angaben zu konfrontieren.

Die erste Methode führt oft dazu, die Genauigkeit des Lukas herunterzuspielen, die Einheit der Prophezeiung Daniels zu zerstückeln oder gewisse Einzelheiten der Evangelien zu relativieren. Die zweite hingegen misst dem Zeugnis der Texte ihren vollen Wert bei und sucht, deren Gesamtzusammenhang zu wahren.

Aus dieser Sicht erscheint das Datum des 1. April 33 n. Chr. nicht nur plausibel, sondern vor allem methodisch besser begründet, weil es der inneren Logik der biblischen Quellen mehr entspricht.

Schlussfolgerung

Das Datum des 7. April 30 n. Chr. bleibt für einen Teil der Forschung verlockend, beruht aber auf einer Kette von Hypothesen, die die Stimmigkeit der Evangelien schwächen, besonders die des Lukas. Um eine bestimmte Rekonstruktion der Chronologie Herodes’ zu wahren, verlegt es den Dienst Johannes’ des Täufers nach vorn, entgegen den von Lukas 3.1-2 ausdrücklich gelieferten Synchronismen.

Demgegenüber fügt sich das Datum des 1. April 33 n. Chr. für die Kreuzigung und des 3. April 33 n. Chr. für die Auferstehung harmonischer in den prophetischen Rahmen Daniels (Daniel 9.24-27) und in die chronologische Ökonomie der Evangelienberichte ein. Es erlaubt, die Angaben Daniels, die historischen Anhaltspunkte des Lukas und den Erzählverlauf des Johannesevangeliums zusammenzuhalten.

Daher gehört die Wahl des Jahres 33 nicht bloß zu einer apologetischen Vorliebe; sie geht aus einer stimmigeren, den Texten gegenüber respektvolleren und in diesem Sinn historisch wie exegetisch befriedigenderen Lesart hervor.