Matthäus und Markus verorten die Episode vom am Tag nach dem triumphalen Einzug des Messias Jesus in Jerusalem, als er auf einem jungen Esel saß. Es ist also Montag, der 28. März 33, früh am Morgen, als der Messias Jesus mit seinen zwölf Aposteln und wahrscheinlich einigen Jüngern Betanien verlässt, um nach Jerusalem zu gehen. Unterwegs erblickt er einen voller Blätter und möchte daran eine Feige pflücken.
In Matthäus 21.18-19 und Markus 11.12-14 hat der Messias Jesus Hunger, tritt an den Baum heran, findet aber keine Frucht. Er verflucht ihn, und der verdorrt rasch, was die Jünger in Erstaunen versetzt. Diese Szene wirft zwei Fragen auf: Wusste der Messias Jesus nicht, dass keine Frucht da sein würde, oder entdeckt er es erst, als er nach einer Feige sucht? Und warum verflucht er diesen Baum?
Die Tat des Messias Jesus ist nicht als willkürlicher Akt zu verstehen, denn er wirkt nie ein Wunder, um etwas Außergewöhnliches hervorzubringen. Seine Wunder haben stets einen Sinn und wollen eine Wahrheit offenbaren. Das Verdorren des ist somit ein wunder: Es vermittelt eine wesentliche geistliche Botschaft. Der mit Blättern beladene, aber fruchtlose wird zum Sinnbild eines religiösen Scheins ohne wahre Fruchtbarkeit. Bei Markus umschließt die Episode die Tempelreinigung und verstärkt so das Thema der Unterscheidung, des göttlichen Gerichts und der geistlichen Echtheit.
Auch der geografische Zusammenhang erhellt die Szene. Das Dorf Betfage, das am Osthang des liegt, befindet sich an der Straße, die Betanien mit Jerusalem verbindet. Markus und Lukas nennen Betfage übrigens zusammen mit Betanien, um ihre Nähe zu betonen. Der Messias Jesus und seine Jünger, die bei Betanien untergebracht sind, kommen auf dem Weg nach Jerusalem also zwangsläufig durch diese Gegend.
Der Name Betfage, der „Haus der “ bedeutet, bestärkt die Vorstellung, dass der in den Berichten von Matthäus und Markus erwähnte in dieser Gegend stand. Außerdem erscheinen je nach Art des die Früchte normalerweise vor den Blättern. Ein mit Blättern bedeckter Baum hätte also anzeigen müssen, dass er auch trug. Das Fehlen der Frucht und das anschließende Verdorren des Baumes verleihen der Tat des Messias Jesus eine symbolische Tragweite, die die Jünger schon am nächsten Tag mit eigenen Augen bestätigt sehen werden.
Matthäus und Markus heben so die Bedeutung dieses Ereignisses hervor. Der steht für Israel: viele Blätter, aber keine Frucht. Die einzige wahre Frucht, die aus Israel hervorgegangen ist, ist der Messias Jesus selbst, und es wird keine andere geben.