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Die Anklage des Petrus

Die Anklage des Petrus vor dem Hohen Rat in Apostelgeschichte 5.27-33 ist ein besonders bemerkenswerter Moment in der Apostelgeschichte. Die Angeklagten werden gewissermaßen…

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Die Anklage des Petrus

Die Anklage des Petrus vor dem Gericht des in Apostelgeschichte 5.27-33 ist ein besonders bemerkenswerter Moment in der Apostelgeschichte. Die Angeklagten werden gewissermaßen zu Anklägern. Während der Hohepriester den Aposteln vorwirft, das Verbot, im Namen Jesu zu lehren, missachtet zu haben und „das Blut dieses Menschen über uns bringen“ zu wollen (Apostelgeschichte 5.28), kehrt Petrus diese Anklage gegen die jüdischen Führer um.

  1. Eine direkte und unverblümte Anklage

Petrus erklärt:

„Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr getötet habt, indem ihr ihn an das Holz gehängt habt“ (Apostelgeschichte 5.30).

Der Ausdruck ist besonders stark. Petrus versucht nicht, die Verantwortung der Mitglieder des abzumildern. Er erinnert sie daran, dass sie Jesus dem Tod ausgeliefert haben. Er sagt nicht, dass Jesus einfach gestorben ist, sondern dass sie ihn „getötet“ haben.

Diese Anklage ähnelt derjenigen, die schon an Pfingsten (Apostelgeschichte 2.23,36) und nach der (Apostelgeschichte 3.13-15) erhoben wurde. Sie zeigt die Geschlossenheit des apostolischen Zeugnisses.

  1. Eine Anspielung auf 5. Mose 21.22-23

Der Ausdruck „am Holz aufgehängt“ ist wahrscheinlich nicht zufällig gewählt. Er erinnert an 5. Mose 21.22-23, wo derjenige, der am Holz hängt, als unter dem Fluch Gottes stehend dargestellt wird.

Petrus scheint so das Paradox zu unterstreichen: Die religiösen Autoritäten behandelten Jesus als einen von Gott verworfenen Verfluchten, während Gott ihn in Wirklichkeit auferweckt und erhöht hat. Paulus wird diesen Gedanken in Galater 3.13 entfalten.

  1. Eine Anklage, verbunden mit einem Aufruf zur Buße

Anders als bei einer bloßen Anklagerede fügt Petrus sofort hinzu:

„Ihn hat Gott durch seine rechte Hand als Fürst und Retter erhöht, um Israel Buße und Vergebung der Sünden zu geben“ (Apostelgeschichte 5.31).

Das Ziel ist also nicht, die Mitglieder des endgültig zu verurteilen. Petrus kündigt ihnen noch die Möglichkeit der Vergebung an. Selbst diejenigen, die an der Verurteilung Jesu beteiligt waren, können das Heil empfangen, wie Petrus es schon vor der Menge in Jerusalem erklärt hatte (Apostelgeschichte 3.17-19).

  1. Eine Anklage, gestützt durch das Zeugnis des Heiligen Geistes

Petrus schließt:

„Wir sind Zeugen dieser Dinge, und ebenso der Heilige Geist, den Gott denen gegeben hat, die ihm gehorchen“ (Apostelgeschichte 5.32).

Die Apostel stellen sich nicht als bloße religiöse Gegner dar. Sie bekräftigen, dass ihr Zeugnis vom Heiligen Geist selbst bestätigt wird. Ihre Botschaft abzulehnen bedeutet also, dem Wirken Gottes zu widerstehen – ein Vorwurf, den Stephanus später noch deutlicher wieder aufgreifen wird (Apostelgeschichte 7.51).

  1. Eine Anklage, die den Zorn des Hohen Rates entfacht

Die Reaktion erfolgt sofort:

„Als sie das hörten, gerieten sie in Wut und wollten sie töten“ (Apostelgeschichte 5.33).

Das von Lukas gebrauchte Verb drückt tiefe Erbitterung aus, eine Art inneres Zerreißen. Die Mitglieder des verstehen die Tragweite der Worte des Petrus genau. Dieser erkennt keine höhere Autorität an als die Gottes (Apostelgeschichte 5.29) und behauptet implizit, dass diejenigen, die als Richter dasitzen, selbst vor Gott schuldig sind.

Schlussfolgerung

Die Anklage des Petrus ist nicht die eines Revolutionärs, der einen Aufstand anzetteln will, sondern die eines Zeugen, der die Wahrheit mutig verkündet. Sie greift das Hauptthema der Apostelgeschichte auf: Die Menschen haben Jesus verworfen und gekreuzigt, aber Gott hat ihn auferweckt und erhöht (Apostelgeschichte 2.24). Paradoxerweise ist diese scharfe Anklage zugleich ein Angebot der Gnade, denn Petrus verkündet den Verantwortlichen Israels noch Buße und Vergebung der Sünden (Apostelgeschichte 5.31).

So sind vor dem obersten Gericht Israels nicht mehr wirklich die Apostel die Angeklagten; vielmehr sind es die Mitglieder des selbst, die sich vor dem Urteil Gottes wiederfinden.