Der Artikel analysiert und harmonisiert die Berichte über die Auferstehung Jesu in den Evangelien, mit Schwerpunkt auf Matthäus. Er erklärt die Abweichungen als Unterschiede der Zeugenaussagen und nicht als Widersprüche und hebt die übernatürlichen Aspekte sowie die Rolle der Frauen als erste Zeuginnen hervor.
137 Min.
AuferstehungEvangelienMatthäusZeugenJesus
193 Verse
6 Bücher
Die vier Evangelien berichten von der Auferstehung des Messias Jesus sowie von den verschiedenen Erscheinungen, die auf dieses große Ereignis folgten. Keiner der Autoren liefert jedoch eine vollständige und detaillierte Chronologie der Geschehnisse. Jeder Bericht wählt bestimmte Episoden aus, hebt besondere Personen hervor und fasst mitunter mehrere Ereignisse in wenigen Zeilen zusammen.
Diese Art der Darstellung kann beim heutigen Leser den Eindruck von Abweichungen oder Widersprüchen erwecken. Dennoch sind solche Unterschiede bei mehreren Zeugnissen, die dasselbe komplexe Ereignis beschreiben, natürlich. Jeder Autor stellt die Elemente heraus, die er je nach seinem erzählerischen Ziel und dem Publikum, an das er sich wendet, für wesentlich hält.
Der Bericht von der Auferstehung weist somit eine besonders dichte Struktur auf: Mehrere Gruppen sind gleichzeitig unterwegs, einige Zeugen verlassen den Ort vorübergehend und kehren dann zurück, während die Erscheinungen des Messias Jesus innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums aufeinander folgen.
Das Ziel dieser Studie ist es daher, sämtliche Evangelientexte aufzugreifen, um eine in sich stimmige chronologische Rekonstruktion der Ereignisse vorzuschlagen, die sich zwischen der Auferstehung des Messias Jesus und seinen ersten Erscheinungen zugetragen haben.
I. Die Fassung des Matthäus
Wir geben den vollständigen Text des Matthäus wieder, um jedes berichtete Detail genau einzuordnen.
II. Ablauf der Ereignisse nach Matthäus
(Matthäus 27.57-58)
(Matthäus 27.59-60)
(Matthäus 27.61)
(Matthäus 27.62-65)
(Matthäus 27.66)
(Matthäus 28.1)
(Matthäus 28.2-3)
(Matthäus 28.4)
(Matthäus 28.5-7)
(Matthäus 28.8)
(Matthäus 28.9)
(Matthäus 28.10)
(Matthäus 28.11-15)
(Matthäus 28.16)
(Matthäus 28.17)
(Matthäus 28.18-20)
Der Bericht des Matthäus legt besonderen Nachdruck auf die übernatürlichen Erscheinungen rund um die Auferstehung: das Erdbeben, das Eingreifen des Engels, die Furcht der Wachen sowie den Versuch der religiösen Autoritäten, das Verschwinden des Leichnams des Messias Jesus zu erklären.
Matthäus hebt außerdem die Rolle der Frauen hervor, der ersten Zeuginnen des leeren Grabes und der ersten Empfängerinnen der Botschaft, die die Auferstehung verkündete.
Dagegen bleibt sein Bericht relativ knapp, was die genauen Wege der Jünger und die verschiedenen aufeinanderfolgenden Erscheinungen des auferstandenen Messias Jesus betrifft. Mehrere Elemente, die Lukas und Johannes ausführen werden, sind hier nur kurz angedeutet oder ganz ausgelassen.
III. Analyse des Berichts des Matthäus
Der Bericht des Matthäus bietet eine relativ knappe Beschreibung der Ereignisse im Zusammenhang mit der Auferstehung des Messias Jesus. Obwohl er mehrere Szenen in wenigen Versen zusammenfasst, enthält er auch Angaben, die diesem Evangelium eigen sind, namentlich die Anwesenheit der römischen Wache, das Erdbeben sowie das Eingreifen des Engels (Matthäus 28.2-4) – Elemente, die von Markus, Lukas und Johannes nicht ausgeführt werden.
Matthäus berichtet zudem von einer Erscheinung des Messias Jesus vor den Frauen, als sie auf dem Weg waren, die Jünger zu benachrichtigen (Matthäus 28.8-9). Der Übergang zwischen den Versen 8 und 9 legt jedoch nahe, dass sich mehrere Zwischenereignisse zugetragen haben können, ohne vom Autor ausgeführt zu werden. Diese Art, eine Abfolge von Handlungen rasch zusammenzufassen, ist in antiken Erzählungen häufig.
Der Text von (Matthäus 28.11) hält im Übrigen fest, dass die Soldaten, während die Frauen die Jünger benachrichtigen gingen, zu den Hohenpriestern kamen, um die Geschehnisse am Grab zu berichten. Diese Information scheint aus einer Quelle zu stammen, die dem nahestand, oder von einem Zeugen, der von den internen Beratungen der Kenntnis hatte.
Schließlich erwähnt Matthäus recht knapp den Aufbruch der Jünger nach Galiläa (Matthäus 28.16). Der rasche Übergang zwischen den Versen 15 und 16 zeigt auch hier, dass mehrere Zwischenereignisse in seinem Bericht nicht ausgeführt werden, insbesondere einige Erscheinungen des auferstandenen Messias Jesus, die in den anderen Evangelien ausführlicher beschrieben werden.
Wir setzen diese Studie nun mit der Analyse des Berichts des Markus fort. Nach unserer Analyse scheint dieses Evangelium eine Struktur aufzugreifen, die der des Matthäus nahekommt, bietet aber eine knappere Darstellung, die stärker auf eine nichtjüdische Leserschaft ausgerichtet ist.
IV. Die Fassung des Markus
Wir geben den vollständigen Text des Markus wieder, um jedes erwähnte Detail genau einzuordnen.
V. Ablauf der Ereignisse nach Markus
(Markus 15.42-43)
(Markus 15.44-45)
(Markus 15.46)
(Markus 15.47)
(Markus 16.1)
(Markus 16.2-4)
(Markus 16.5)
(Markus 16.6-7)
(Markus 16.8)
(Markus 16.9)
(Markus 16.10-11)
(Markus 16.12-13)
(Markus 16.14)
(Markus 16.15-18)
(Markus 16.19)
(Markus 16.20)
Der lange Markusschluss (Markus 16.9-20) fehlt in einigen alten Handschriften. Dennoch ist dieser Abschnitt sehr früh in der christlichen Überlieferung bezeugt und findet sich weiterhin in der Mehrzahl der griechischen Handschriften sowie in der alten kirchlichen Überlieferung. In dieser Studie betrachten wir diesen Text als Teil der alten Überlieferung des Evangeliums nach Markus.
Allgemeine Bemerkung zum Bericht des Markus
Der Bericht des Markus zeichnet sich durch einen besonders knappen und lebendigen Stil aus. Der Autor fasst mehrere Ereignisse in wenigen Versen zusammen und betont vor allem die Reaktionen der Zeugen angesichts der Auferstehung des Messias Jesus.
Markus führt die chronologischen Zwischendetails kaum aus und bevorzugt eine zügige Erzählung, die sich konzentriert auf:
die Entdeckung des leeren Grabes;
die Verkündigung der Auferstehung;
den anfänglichen Unglauben der Jünger;
die wichtigsten Erscheinungen des auferstandenen Messias Jesus.
Sein Bericht enthält mehrere rasche Übergänge, die darauf hindeuten, dass viele Zwischenereignisse nicht ausdrücklich ausgeführt werden.
VI. Analyse des Berichts des Markus
Der Bericht des Markus weist zahlreiche Ähnlichkeiten mit dem des Matthäus auf, bleibt aber im Allgemeinen knapper und direkter in der Erzählung. Mehrere Elemente bei Matthäus werden von Markus nicht ausgeführt, namentlich die Bitte der Hohenpriester um eine römische Wache, das Erdbeben sowie die eindrucksvolle Beschreibung des Eingreifens des Engels (Matthäus 28.2-4).
Markus erwähnt jedoch mehrere ergänzende Einzelheiten. Er hält insbesondere fest, dass Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome Spezereien kauften, um zum Grab zu gehen (Markus 16.1) – eine Angabe, die bei Matthäus nicht ausgeführt war. Er fügt außerdem die Anwesenheit der Salome unter den Frauen hinzu, die zur Grabstätte kamen.
Wie Matthäus berichtet Markus von der Entdeckung des leeren Grabes, der Anwesenheit eines jungen Mannes in weißem Gewand (Markus 16.5) sowie von der Verkündigung der Auferstehung. Sein Bericht bleibt jedoch besonders gedrängt und auf die unmittelbaren Reaktionen der Zeugen konzentriert.
Ab (Markus 16.9) zeigt sich ein wichtiger Übergang. Der Text verlässt dann die erzählerische Kontinuität der vorangehenden Ereignisse, um eine zusammengefasste Abfolge der Erscheinungen des auferstandenen Messias Jesus darzustellen.
Der Abschnitt (Markus 16.9-20), traditionell „langer Markusschluss“ genannt, fasst mehrere bedeutende Ereignisse zusammen:
die Erscheinung vor Maria Magdalena;
die Erscheinung vor zwei Jüngern auf dem Weg;
die Erscheinung vor den Elf;
die letzten Anweisungen des Messias Jesus;
und schließlich die Himmelfahrt.
Markus versucht hier nicht mehr, eine detaillierte Chronologie der Ereignisse zu entfalten. Er scheint vielmehr eine theologische Zusammenfassung vorzulegen, die sich konzentriert auf:
den anfänglichen Unglauben der Jünger;
die Wirklichkeit der Erscheinungen;
den den Aposteln anvertrauten universalen Auftrag;
sowie die Fortdauer des Werkes des Messias Jesus durch die Verkündigung und die Wunder, die seine Jünger vollbringen.
Einige alte Fassungen des Markusevangeliums enden bei Vers 8, was mehrere Forscher dazu veranlasst hat, über den genauen Ursprung des langen Markusschlusses (Markus 16.9-20) zu diskutieren. Dieser Abschnitt bleibt jedoch in der christlichen Überlieferung sehr alt und findet sich in der Mehrzahl der überlieferten Handschriften sowie in den wichtigsten kirchlichen Überlieferungen.
Insgesamt zeichnet sich der Bericht des Markus somit durch eine rasche, knappe Erzählweise aus, die stark auf die Verkündigung der Auferstehung und den künftigen Auftrag der Jünger ausgerichtet ist.
VII. Die Fassung des Lukas
Wir geben den vollständigen Text des Lukas wieder, um jedes berichtete Detail genau einzuordnen.
VIII. Ablauf der Ereignisse nach Lukas
Die Berichte von der Auferstehung weisen je nach Evangelist unterschiedliche Detailgrade auf. Manche Autoren fassen mehrere Ereignisse in wenigen Zeilen zusammen, während andere bestimmte Szenen stärker ausführen. Um die allgemeine Chronologie besser zu verstehen, ist es notwendig, den Ablauf der Geschehnisse, wie ihn jedes Evangelium berichtet, getrennt zu untersuchen, bevor eine harmonisierte Zusammenschau vorgeschlagen wird.
Wir setzen unsere Studie mit dem Bericht des Lukas fort, den wir als das Werk eines Autors betrachten, der besonders auf die Abfolge der Ereignisse und das Sammeln von Zeugnissen achtet (Lukas 1.1-4). Diese Studie ist parallel zum Anhang ANN090 mit dem Titel „Die verschiedenen Erscheinungen“ zu lesen.
Allgemeine Bemerkung zum Bericht des Johannes
Punkt Nr. 17: Langes Gespräch des Messias Jesus mit Petrus in Anwesenheit der Jünger
Punkt Nr. 16: Johannes hält fest, dass es sich um die dritte Erscheinung des Messias Jesus vor den Jüngern handelt
Punkt Nr. 15: Erscheinung des Messias Jesus vor den Jüngern am Ufer des Sees Tiberias
Punkt Nr. 14: Erneute Erscheinung des Messias Jesus acht Tage später in Anwesenheit des Thomas
Punkt Nr. 13: Thomas, genannt Didymus, fehlt bei dieser Erscheinung
Punkt Nr. 12: Erscheinung des Messias Jesus vor den am Sonntagabend versammelten Jüngern
Punkt Nr. 11: Maria Magdalena verkündet den Jüngern, dass sie den Herrn gesehen hat
Punkt Nr. 10: Erste Erscheinung des Messias Jesus vor Maria Magdalena
Punkt Nr. 9: Maria Magdalena sieht zwei Engel und spricht mit ihnen
Punkt Nr. 8: Maria Magdalena bleibt allein beim Grab
Punkt Nr. 7: Petrus und der Jünger, den Jesus liebte, kehren nach Hause zurück
Punkt Nr. 6: Simon Petrus und der Jünger, den Jesus liebte, laufen zum Grab
Punkt Nr. 5: Maria Magdalena läuft los, um Simon Petrus und den Jünger, den Jesus liebte, zu benachrichtigen
Punkt Nr. 4: Maria Magdalena geht am Sonntagmorgen zum Grab
Punkt Nr. 3: Josef von Arimathäa und Nikodemus legen den Leichnam in ein neues Grab
Punkt Nr. 2: Nikodemus bringt Spezereien für die Grablegung
Punkt Nr. 1: Josef von Arimathäa bittet Pilatus um den Leichnam des Messias Jesus
Allgemeine Bemerkung zum Bericht des Lukas
Punkt Nr. 13: Die Himmelfahrt des Messias Jesus
Punkt Nr. 12: Erscheinung des Messias Jesus vor den in Jerusalem versammelten Jüngern
Punkt Nr. 11: Erscheinung des Messias Jesus vor den Jüngern auf dem Weg nach Emmaus
Punkt Nr. 10: Petrus läuft zum Grab
Punkt Nr. 9: Die Frauen kehren zurück, um die Jünger zu benachrichtigen
Punkt Nr. 8: Die beiden Männer verkünden die Auferstehung des Messias Jesus
Punkt Nr. 7: Die Frauen sehen zwei Männer in glänzenden Kleidern
Punkt Nr. 6: Die Frauen entdecken das offene und leere Grab
Punkt Nr. 5: Am Sonntagmorgen gehen die Frauen zum Grab
Punkt Nr. 4: Die Frauen bereiten Spezereien und Salböle zu
Punkt Nr. 3: Die Frauen beobachten die Grablegung des Messias Jesus
Punkt Nr. 2: Josef von Arimathäa legt den Leichnam in das Grab
Punkt Nr. 1: Josef von Arimathäa bittet Pilatus um den Leichnam des Messias Jesus
Textbemerkung
Punkt Nr. 16: Der Dienst der Apostel nach der Himmelfahrt
Punkt Nr. 15: Die Himmelfahrt des Messias Jesus
Punkt Nr. 14: Der Messias Jesus gibt den Jüngern seine letzten Anweisungen
Punkt Nr. 13: Erscheinung des Messias Jesus vor den bei einer Mahlzeit versammelten Jüngern
Punkt Nr. 12: Erscheinung des Messias Jesus vor zwei Jüngern auf dem Weg
Punkt Nr. 11: Maria Magdalena läuft los, um die Jünger zu benachrichtigen
Punkt Nr. 10: Erste Erscheinung des Messias Jesus vor Maria Magdalena
Punkt Nr. 9: Die Frauen verlassen das Grab voller Furcht und Entsetzen
Punkt Nr. 8: Der junge Mann verkündet die Auferstehung des Messias Jesus
Punkt Nr. 7: Die Frauen sehen im Grab einen jungen Mann in weißem Gewand
Punkt Nr. 6: Am Sonntagmorgen gehen die Frauen zum Grab
Punkt Nr. 5: Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome kaufen Spezereien
Punkt Nr. 4: Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Joses, beobachten die Grablegung aus der Ferne
Punkt Nr. 3: Josef von Arimathäa legt den Leichnam in das Grab und wälzt den Stein davor
Punkt Nr. 2: Pilatus lässt den Tod des Messias Jesus überprüfen
Punkt Nr. 1: Josef von Arimathäa bittet Pilatus um den Leichnam des Messias Jesus
Allgemeine Bemerkung zum Bericht des Matthäus
Punkt Nr. 16: Der Messias Jesus gibt den Jüngern seine letzten Weisungen
Punkt Nr. 15: Die Jünger begegnen dem Messias Jesus in Galiläa
Punkt Nr. 14: Die Jünger gehen nach Galiläa
Punkt Nr. 13: Die Soldaten verlassen das Grab und informieren die Hohenpriester
Punkt Nr. 12: Der Messias Jesus spricht zu den Frauen
Punkt Nr. 11: Der Messias Jesus kommt den Frauen entgegen
Punkt Nr. 10: Die Frauen laufen los, um die Jünger zu benachrichtigen
Punkt Nr. 9: Der Engel wendet sich an die Frauen, die sich dem Grab genähert haben
Punkt Nr. 8: Die Wachen sind vor Furcht wie gelähmt
Punkt Nr. 7: Ein Erdbeben begleitet das Eingreifen des Engels
Punkt Nr. 6: Im Morgengrauen des Sonntags kehren Maria Magdalena und die andere Maria zum Grab zurück
Punkt Nr. 5: Die Wache sichert die Überwachung des Grabes
Punkt Nr. 4: Die Hohenpriester bitten Pilatus um eine Wache zur Überwachung des Grabes
Punkt Nr. 3: Maria Magdalena und die andere Maria beobachten die Grablegung aus der Ferne
Punkt Nr. 2: Josef von Arimathäa legt den Leichnam in das Grab und wälzt den Stein davor
Punkt Nr. 1: Josef von Arimathäa bittet Pilatus um den Leichnam des Messias Jesus
(Lukas 23.50-52)
(Lukas 23.53-54)
(Lukas 23.55)
(Lukas 23.56)
(Lukas 24.1)
(Lukas 24.2-3)
(Lukas 24.4)
(Lukas 24.5-8)
(Lukas 24.9-11)
(Lukas 24.12)
(Lukas 24.13-35)
(Lukas 24.36-49)
(Lukas 24.50-53)
Der Bericht des Lukas zeichnet sich durch besondere Aufmerksamkeit für die Wege der Personen, die Dialoge und die Abfolge der Ereignisse aus. Anders als Markus, dessen Erzählung sehr gedrängt ist, führt Lukas bestimmte Szenen weiter aus und liefert mehrere ergänzende Angaben zu den Reaktionen der Zeugen.
Lukas betont vor allem:
die Rolle der Frauen als erste Zeuginnen des leeren Grabes;
den anfänglichen Unglauben der Jünger;
die Erklärungen des Messias Jesus zur Erfüllung der Schriften;
sowie die Erscheinungen in Jerusalem und auf dem Weg nach Emmaus.
Der Bericht des Lukas legt außerdem starken Nachdruck auf die belehrende Dimension der Erscheinungen des auferstandenen Messias Jesus. Er unterweist seine Jünger, öffnet ihnen das Verständnis, damit sie die Schriften verstehen (Lukas 24.44-45), und bereitet sie auf ihren künftigen Auftrag vor.
Schließlich stellt Lukas einen relativ raschen Übergang zwischen den Erscheinungen des Messias Jesus und seiner Himmelfahrt dar. Diese knappe Darstellung wird im Buch der Apostelgeschichte ausführlicher entfaltet, wo Lukas festhält, dass der Messias Jesus nach seiner Auferstehung vierzig Tage lang lebendig erschien (Apostelgeschichte 1.1-3).
IX. Analyse des Berichts des Lukas
Die Punkte 1 bis 9 bestätigen im Großen und Ganzen die Angaben, die Matthäus und Markus bereits zur Grablegung des Messias Jesus, zum Eingreifen des Josef von Arimathäa sowie zur Entdeckung des leeren Grabes durch die Frauen gemacht haben (Matthäus 27.57-61; Markus 15.42-47; Lukas 23.50-56).
Wie Markus erwähnt Lukas weder die Aufstellung der römischen Wache noch die Versiegelung des Grabes, noch das Erdbeben mit dem Herabkommen des Engels, wie sie Matthäus beschreibt (Matthäus 27.62-66; Matthäus 28.2-4). Dieses Fehlen ist kein Widerspruch, sondern Ausdruck einer redaktionellen Entscheidung. Jeder Evangelist wählt die Elemente aus, die er für seine Aussage am wichtigsten hält, ohne den Anspruch zu erheben, alle Ereignisse zu berichten (Lukas 1.1-4; Johannes 20.30-31). Der Bericht des Lukas weist somit zahlreiche Ähnlichkeiten mit dem des Markus auf, was den unmittelbaren Ablauf der Ereignisse am Morgen der Auferstehung betrifft.
Lukas liefert jedoch mehrere besonders wichtige ergänzende Angaben. Er hält insbesondere fest, dass Petrus nach dem Zeugnis der Frauen persönlich zum Grab geht. Als er die im Grab liegenden Leinentücher betrachtet, geht er zutiefst verwundert über das, was er soeben entdeckt hat, wieder fort (Lukas 24.12). Diese Erwähnung bereitet den Leser allmählich auf die Wirklichkeit der Auferstehung vor, ohne bereits anzugeben, dass Petrus dem auferstandenen Herrn begegnet wäre.
Einer der wichtigsten Beiträge des Lukas besteht im ausführlichen Bericht über die Jünger von Emmaus (Lukas 24.13-35). Markus hatte diese Erscheinung bereits kurz erwähnt, indem er festhielt, dass Jesus zwei Jüngern erschien, die aufs Land gingen (Markus 16.12-13). Lukas führt diese Episode jedoch erheblich aus, indem er das Gespräch zwischen Jesus und den beiden Wanderern, ihr anfängliches Unverständnis sowie die Auslegung der Schriften wiedergibt, die zeigt, dass die Leiden des Messias zum göttlichen Plan gehörten (Lukas 24.25-27). Diese Szene ist eine der umfassendsten Lehren des Neuen Testaments über die Erfüllung der messianischen Prophezeiungen.
Nachdem sie Jesus beim Brechen des Brotes erkannt haben, kehren die beiden Jünger sofort nach Jerusalem zurück, um die dort versammelten Apostel und die anderen Jünger zu benachrichtigen (Lukas 24.33-35). In diesem Zusammenhang berichtet Lukas von einer Erscheinung des Herrn vor der versammelten Gruppe (Lukas 24.36-49). Im Gegensatz zu manchen rein geistlichen Vorstellungen von der Auferstehung betont Lukas nachdrücklich ihre leibliche Dimension. Jesus fordert die Jünger auf, seine Hände und seine Füße zu betrachten, und isst dann vor ihnen, um zu zeigen, dass er weder ein Geist noch eine bloße Vision ist (Lukas 24.39-43).
Lukas hebt auch die Unterweisung hervor, die der auferstandene Herr seinen Jüngern gibt. Jesus erinnert sie daran, dass sein Tod und seine Auferstehung erfüllen, was im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen angekündigt war (Lukas 24.44-47). Dieser Nachdruck auf der Erfüllung der Schriften ist eines der Hauptthemen des Evangeliums nach Lukas und der Apostelgeschichte.
Wir stellen somit eine starke Übereinstimmung zwischen den synoptischen Berichten fest. Matthäus legt den Akzent stärker auf das übernatürliche Eingreifen bei der Auferstehung, Markus bietet einen knappen, auf die wesentlichen Tatsachen konzentrierten Bericht, während Lukas das Ganze durch mehrere ausführliche Zeugnisse und eine bedeutende Entfaltung der Erscheinungen des auferstandenen Herrn bereichert. Diese Unterschiede gehören eher zur Ergänzung als zum Widerspruch.
Die Hauptschwierigkeit der Chronologie bleibt mit dem Abschnitt (Markus 16.9-20) verbunden. Dieser Abschnitt ist in einem besonders knappen Stil gehalten und scheint mehrere Erscheinungen des Herrn zusammenzufassen, ohne deren zeitliche Reihenfolge genau festzulegen. Es empfiehlt sich daher, das Zeugnis des Johannes aufmerksam zu prüfen, bevor eine endgültige Harmonisierung aller Ereignisse vorgeschlagen wird, die sich zwischen der Entdeckung des leeren Grabes und den ersten Erscheinungen des Auferstandenen zugetragen haben.
X. Die Fassung des Johannes
Wir geben den vollständigen Text des Johannes wieder, um jedes berichtete Detail genau einzuordnen.
XI. Ablauf der Ereignisse nach Johannes
(Johannes 19.38)
(Johannes 19.39)
(Johannes 19.40-42)
(Johannes 20.1)
(Johannes 20.2)
(Johannes 20.3-9)
(Johannes 20.10)
(Johannes 20.11)
(Johannes 20.12-13)
(Johannes 20.14-17)
(Johannes 20.18)
(Johannes 20.19-23)
(Johannes 20.24-25)
(Johannes 20.26-29)
(Johannes 21.1-13)
(Johannes 21.14)
(Johannes 21.15-25)
Der Bericht des Johannes hebt sich durch die Fülle persönlicher und erzählerischer Einzelheiten über die Erscheinungen des auferstandenen Messias Jesus deutlich von den synoptischen Evangelien ab.
Johannes betont vor allem:
die Wege der Maria Magdalena;
die Reaktion des Petrus und des Jüngers, den Jesus liebte;
die Gespräche zwischen dem Messias Jesus und seinen Jüngern;
sowie die leibliche Wirklichkeit der Auferstehung.
Im Gegensatz zu den Synoptikern führt Johannes bestimmte Einzelszenen ausführlich aus, namentlich:
die Begegnung zwischen Maria Magdalena und dem Messias Jesus;
die Episode mit Thomas;
den wunderbaren Fischfang am ;
und das abschließende Gespräch mit Petrus.
Der Bericht des Johannes ermöglicht es auch, mehrere Ortswechsel und zeitliche Übergänge besser zu verstehen, die in den anderen Evangelien nur kurz angedeutet werden. Seine Angaben spielen daher eine wesentliche Rolle für die Gesamtharmonisierung der Auferstehungsberichte.
XII. Analyse des Berichts des Johannes
Johannes bietet eine ausführlichere Beschreibung dieser Zeit als seine Mitevangelisten, indem er den zweiten wunderbaren Fischfang sowie das Gespräch mit Petrus einbezieht. Diese zusätzlichen Elemente stehen im Einklang mit den vorangehenden Berichten, denn Johannes bemüht sich, Tatsachen hinzuzufügen, die Matthäus, Markus und Lukas nicht erwähnt hatten.
Nikodemus wird neben Josef von Arimathäa erwähnt. Johannes bezieht sich in seinem Evangelium dreimal auf Nikodemus (Johannes 3.1-21, Johannes 7.45-52 und Johannes 19.38-42), was auf eine gewisse Bedeutung dieser Person hindeutet.
Maria Magdalena wird im Bericht des Johannes als die erste Person erwähnt, die dem auferstandenen Messias begegnet. Die Namen der Personen werden ausführlicher genannt als in den Berichten der synoptischen Evangelien, wahrscheinlich wegen der späteren Abfassung des Johannesevangeliums. Zu jener Zeit waren die meisten dieser Personen gestorben, sodass Johannes keine Vorsichtsmaßnahmen mehr treffen musste, um sie vor Verfolgung zu schützen.
Es ist unerlässlich, all diese Angaben zusammenzutragen, um eine genaue Chronologie der Besuche der Frauen am Grab aufzustellen. Auch wenn nicht jeder Autor sämtliche Einzelheiten geliefert hat, gelten ihre Berichte als glaubwürdig. Dennoch ergeben sich dadurch, dass sie manche Elemente hervorheben und andere auslassen, Herausforderungen für die Auslegung.
XIII. Zusammenschau der vier Evangelien
Wir kommen nun zur Zusammenschau der vier Evangelienberichte über den Tod, die Grablegung und die Auferstehung des Messias Jesus. Diese Studie erfordert mehrere Auslegungsentscheidungen, die wir kenntlich machen, wo sie hypothetisch bleiben.
Die vorgeschlagene Chronologie beruht auf folgendem Grundsatz: Die Evangelienberichte ergänzen einander und sind historisch stimmig. Die beobachteten Unterschiede rühren hauptsächlich von der Auswahl der Einzelheiten durch jeden Autor sowie vom Fehlen einer erschöpfenden, minutiösen Chronologie der Ereignisse her. Unsere Aufgabe besteht daher darin, die Angaben in eine natürliche und stimmige Reihenfolge zu bringen, um den wahrscheinlichsten Ablauf der Geschehnisse zu rekonstruieren.
Der Freitag, 1. April 33 n. Chr.
(Tag des Passa)
Es ist Freitag, der 1. April 33 n. Chr. Der Messias Jesus ist soeben am Kreuz gestorben. Josef von Arimathäa unternimmt daraufhin Schritte bei Pontius Pilatus, um die Erlaubnis zu erhalten, den Leichnam abzunehmen und die Grablegung vor Beginn des vorzunehmen.
Punkt Nr. 1 (✓✓✓✓) Josef von Arimathäa bittet Pilatus um den Leichnam des Messias Jesus
(Matthäus 27.57-58 ; Markus 15.42-43 ; Lukas 23.50-52 ; Johannes 19.38)
Anmerkung
Die vier Evangelien berichten dieses Ereignis in sich ergänzender und stimmiger Weise.
Matthäus betont den Reichtum des Josef von Arimathäa. Markus und Lukas erinnern an seine Zugehörigkeit zum jüdischen Rat, während Lukas festhält, dass er der Verurteilung des Messias Jesus nicht zugestimmt hatte. Markus hebt zudem seinen Mut hervor, als er vor Pilatus tritt. Johannes fügt hinzu, dass er aus Furcht vor den heimlich ein Jünger Jesu war.
Diese verschiedenen Angaben widersprechen einander nicht; sie bereichern vielmehr das Bild des Josef von Arimathäa und erklären sein Vorgehen beim römischen Präfekten.
Punkt Nr. 2 (✓✓✓✓) Pilatus lässt den Tod des Messias Jesus überprüfen
(Markus 15.44-45)
Anmerkung
Markus ist der Einzige, der diese amtliche Überprüfung ausdrücklich erwähnt. Dieses Detail fügt sich natürlich in die Chronologie ein.
Der Tod Jesu scheint relativ rasch eingetreten zu sein. Nach den Evangelien wurde Jesus um die dritte Stunde gekreuzigt, also gegen 9 Uhr morgens (Markus 15.25). Danach bedeckte Finsternis das Land von der sechsten bis zur neunten Stunde, das heißt zwischen 12 und 15 Uhr (Matthäus 27.45; Markus 15.33; Lukas 23.44). Jesus verschied gegen die neunte Stunde, also ungefähr um 15 Uhr (Matthäus 27.46-50; Markus 15.34-37; Lukas 23.46).
Diese relativ kurze Dauer erklärt das Erstaunen des Pilatus, denn manche Gekreuzigte konnten mehrere Tage überleben. Das Zeugnis des bestätigt somit amtlich die Wirklichkeit des Todes des Messias Jesus.
Vergessen wir nicht, dass Pilatus der Bitte des zugestimmt hatte, den Gekreuzigten den Tod zu geben, damit die Leichname vor Beginn des abgenommen würden.
Dieses Detail ist von großer Bedeutung angesichts späterer Theorien, die behaupten, Jesus habe die Kreuzigung überlebt.
Der Zustand äußerster Schwäche des Messias Jesus erklärt diesen raschen Tod: tiefe Bedrängnis vor der Verhaftung (Lukas 22.44), Schlaflosigkeit, körperliche Gewalt und schließlich die römische Geißelung, die den Ausgang der Hinrichtung beschleunigen sollte.
Punkt Nr. 3 (□□□✓) Eingreifen des Nikodemus
(Johannes 19.39)
Anmerkung
Johannes ist der Einzige, der Nikodemus ausdrücklich erwähnt.
Diese Person begleitet Josef von Arimathäa bei der Grablegung und bringt eine große Menge Spezereien mit. Diese Angabe ergänzt die anderen Berichte auf natürliche Weise.
Dass Nikodemus in den Synoptikern fehlt, ist kein Widerspruch. Die Autoren haben einfach unterschiedliche Einzelheiten ausgewählt. Johannes, der später schreibt, scheint besonders darauf bedacht zu sein, bestimmte Personen hervorzuheben, die dem Messias Jesus innerhalb der gewogen waren. Die Autoren der Synoptiker wollten demjenigen, den sie nun als Bruder ansahen, keine Schwierigkeiten bereiten.
Punkt Nr. 4 (✓✓✓✓) Der Leichnam wird ins Grab gelegt und der Stein davorgewälzt
(Matthäus 27.59-60 ; Markus 15.46 ; Lukas 23.53-54 ; Johannes 19.40-42)
Anmerkung
Josef von Arimathäa und Nikodemus nehmen den Leichnam Jesu vom Kreuz, wickeln ihn mit Spezereien in ein Leinentuch und legen ihn in ein neues Grab. Sie ließen sich sicher von den vor Ort anwesenden Soldaten helfen.
Die Berichte stimmen ohne Schwierigkeit überein. Anschließend wird ein schwerer Stein vor den Eingang der Grabstätte gewälzt.
All diese Arbeiten mussten rasch vor Beginn des abgeschlossen sein.
Punkt Nr. 5 (✓✓✓□) Die Frauen beobachten die Grablegung
(Matthäus 27.61 ; Markus 15.47 ; Lukas 23.55)
Anmerkung
Maria Magdalena und mehrere andere Frauen beobachten die Grablegung des Leichnams aus der Ferne.
Lukas hält fest, dass sie sahen, wie der Leichnam ins Grab gelegt wurde (Lukas 23.55). Diese Angabe erklärt, warum sie nach dem genau wissen, wohin sie zurückkehren müssen.
Ihre Anwesenheit zeigt außerdem, dass sie unmittelbare Zeuginnen des Verschließens der Grabstätte waren.
Samstag, 2. April 33 n. Chr.
(Sabbat)
Der Samstag entspricht dem wöchentlichen . Jede wichtige Tätigkeit ruht in Jerusalem.
Punkt Nr. 6 (✓□□□) Die Autoritäten verlangen eine Wache zur Überwachung des Grabes
(Matthäus 27.62-65)
Anmerkung
Matthäus ist der Einzige, der diese Episode berichtet.
Kaiphas und die religiösen Autoritäten befürchten, dass die Jünger den Leichnam stehlen könnten, um eine Auferstehung vortäuschen zu können. Sie bitten daher Pilatus um eine amtliche Überwachung des Grabes.
Diese Angabe fügt sich logisch in den Zusammenhang der Spannungen um den Messias Jesus ein. Niemand hat ein Interesse daran, dass sich diese Geschichte so entwickelt; Pilatus willigt leicht ein, eine Wache aufzustellen. Für alle ist es unerlässlich, dass diese Episode jetzt zu Ende geht.
Punkt Nr. 7 (✓□□□) Die Wache überwacht das Grab
(Matthäus 27.66)
Anmerkung
Das Grab wird gesichert und unter Überwachung gestellt.
Matthäus scheint hier auf Anschuldigungen zu antworten, die nach der Auferstehung im Umlauf waren und denen zufolge die Jünger den Leichnam gestohlen hätten.
Sonntag, 3. April 33 n. Chr.
(Erster Tag der Woche)
Der erste Tag der Woche beginnt nach Sonnenuntergang des .
Punkt Nr. 8 (□✓✓□) Die Frauen bereiten Spezereien zu oder kaufen sie
(Markus 16.1 ; Lukas 23.56)
Anmerkung
Nach dem bereiten mehrere Frauen Spezereien zu, um die in der Eile vor der Sabbatruhe begonnene Totenpflege zu vollenden.
Johannes hält jedoch fest, dass Nikodemus bereits eine beträchtliche Menge Salböle gebracht hatte (Johannes 19.39-40). Die Frauen kommen also wahrscheinlich nicht, um eine erste vollständige Einbalsamierung vorzunehmen, sondern eher, um die Bestattung zu ergänzen oder zu ehren.
Punkt Nr. 9 (✓✓✓✓) Die Frauen gehen im Morgengrauen zum Grab
(Matthäus 28.1 ; Markus 16.2-4 ; Lukas 24.1-2 ; Johannes 20.1)
Anmerkung
Die Frauen verlassen Jerusalem sehr früh.
Johannes hält fest, dass es noch dunkel war (Johannes 20.1), während Markus vom Aufgang der Sonne spricht (Markus 16.2). Diese Angaben sind vollkommen miteinander vereinbar: Der Aufbruch erfolgte wahrscheinlich im Dunkeln und die Ankunft am Grab bei Tagesanbruch.
Unterwegs machen sich die Frauen Sorgen wegen des Steins, der das Grab verschließt (Markus 16.3).
Bei ihrer Ankunft stellen sie fest, dass der Stein bereits weggewälzt ist.
Punkt Nr. 10 (✓□□□) Erdbeben und Eingreifen des Engels
(Matthäus 28.2-4)
Anmerkung
Matthäus berichtet, dass ein Engel unter einem Erdbeben vom Himmel herabkommt und den Stein des Grabes wegwälzt.
Nichts im Text zwingt jedoch zu dem Schluss, dass die Frauen dieser Szene unmittelbar beiwohnten. Markus, Lukas und Johannes beschreiben im Gegenteil, dass die Frauen das bereits offene Grab einfach vorfinden.
Es ist daher wahrscheinlich, dass Matthäus hier rückblickend die Erklärung für den weggewälzten Stein liefert.
Dieses Verständnis ermöglicht es, die vier Berichte auf natürliche Weise zu harmonisieren.
Punkt Nr. 11 (✓□□✓) Maria Magdalena verlässt das Grab rasch
(Johannes 20.1-2)
Anmerkung
Johannes scheint hier eine unmittelbare Reaktion der Maria Magdalena zu beschreiben. Als sie den weggewälzten Stein sieht, schließt sie spontan, dass der Leichnam des Messias Jesus fortgebracht wurde:
„Sie haben den Herrn aus dem Grab genommen“ (Johannes 20.2).
In diesem Augenblick deutet nichts darauf hin, dass sie das Grab betreten oder die Engel gesehen hätte. Ihr Verhalten legt im Gegenteil einen raschen Aufbruch nach Jerusalem nahe, um Petrus und Johannes sowie die anderen Apostel zu benachrichtigen.
Diese Klarstellung ist entscheidend, um den Bericht des Johannes mit denen der Synoptiker in Einklang zu bringen. Während Maria aufbricht, um die Jünger zu benachrichtigen, bleiben die anderen Frauen beim Grab.
Punkt Nr. 12 (✓✓✓□) Die anderen Frauen nähern sich dem Grab und betreten die Grabstätte
(Matthäus 28.5 ; Markus 16.5 ; Lukas 24.3-4)
Anmerkung
Nach dem Weggang der Maria Magdalena nähern sich die anderen Frauen dem Grab weiter und betreten die Grabstätte.
Markus erwähnt die Anwesenheit eines jungen Mannes in weißem Gewand (Markus 16.5), während Lukas von zwei Männern in glänzenden Kleidern spricht (Lukas 24.4). Matthäus legt den Schwerpunkt vor allem auf den Engel, der die Frauen beruhigt (Matthäus 28.5).
Diese Berichte ergänzen einander: Die Autoren stellen die Person oder die Personen heraus, die sie für die Szene als zentral erachten.
Punkt Nr. 13 (✓✓✓□) Die Engel verkünden den Frauen die Auferstehung
(Matthäus 28.6-7 ; Markus 16.6-7 ; Lukas 24.5-8)
Anmerkung
Die Engel verkünden dann, dass der Messias Jesus auferstanden ist, und bitten die Frauen, die Jünger zu benachrichtigen.
Die Frauen verlassen das Grab mit einer Mischung aus Furcht, Entsetzen und Freude (Matthäus 28.8; Markus 16.8).
Markus betont besonders ihren Zustand unmittelbaren Schocks, als sie den Ort verlassen.
Punkt Nr. 14 (□□□✓) Petrus und Johannes laufen zum Grab
(Johannes 20.3-10 ; Lukas 24.12)
Anmerkung
Nachdem sie das Zeugnis der Maria Magdalena und der anderen Frauen gehört haben, eilen Petrus und Johannes zum Grab. Sie mussten jedoch vorsichtig vorgehen, um nicht die Aufmerksamkeit der religiösen Autoritäten zu erregen, die den Jüngern Jesu weiterhin feindlich gesinnt waren.
Vor Ort entdecken sie die sorgfältig hingelegten Leinentücher sowie das zusammengerollte und für sich gelegte Schweißtuch (Johannes 20.6-7). Das Grab zeigt also keinerlei Anzeichen für einen überstürzten Diebstahl oder eine Schändung.
Bei der Betrachtung dieser Dinge scheint Johannes die Wirklichkeit der Auferstehung zu erfassen, auch wenn er die gesamten Schriften zu diesem Ereignis noch nicht vollständig versteht (Johannes 20.8-9).
Punkt Nr. 15 (□□□✓) Maria Magdalena kehrt nach Petrus und Johannes zum Grab zurück
(Johannes 20.11)
Anmerkung
Nach dem Weggang der beiden Jünger bleibt Maria weinend allein beim Grab.
Diese Angabe ist grundlegend, denn sie zeigt, dass sich die jetzt von Johannes beschriebene Szene von der zuvor in den Synoptikern berichteten unterscheidet.
Maria befindet sich nun allein vor der Grabstätte.
Punkt Nr. 16 (□□□✓) Maria Magdalena sieht die beiden Engel
(Johannes 20.12-13)
Anmerkung
Johannes hält fest, dass Maria nun zwei Engel im Grab sitzen sieht.
Diese Szene erklärt, warum Maria in (Johannes 20.2) noch nicht von Engeln gesprochen hatte: Sie hatte sie schlicht noch nicht gesehen.
Diese zeitliche Unterscheidung löst den Kern der von den Kritikern aufgeworfenen Schwierigkeit.
Punkt Nr. 17 (✓□✓✓) Erste Erscheinung des auferstandenen Messias Jesus
(Matthäus 28.9 ; Markus 16.9 ; Johannes 20.14-17)
Anmerkung
Der Messias Jesus erscheint nun der Maria Magdalena.
Johannes führt diese persönliche Begegnung ausführlich aus, während Markus sie kurz zusammenfasst.
Matthäus erwähnt ebenfalls eine Erscheinung vor den Frauen, als sie das Grab verlassen (Matthäus 28.9). Es ist möglich, dass Jesus erschien:
zuerst der Maria Magdalena allein;
und danach den anderen Frauen.
Die Evangelien raffen mitunter mehrere dicht aufeinanderfolgende Ereignisse, ohne alle zeitlichen Zwischenübergänge zu schildern.
XIV - Allgemeine Bemerkung zu den Ortswechseln und zur Chronologie der Ereignisse
Die Autoren der Antike fassten häufig mehrere dicht aufeinanderfolgende Ereignisse zusammen, ohne alle Zwischenübergänge zu schildern. Es war üblich, eine Abfolge von Handlungen zu einer knappen Erzählung zu verdichten, die sich auf die als bedeutsamste erachteten Tatsachen konzentriert. Die Evangelien stehen in dieser literarischen Praxis. Folglich müssen bestimmte Zwischenschritte aus der Gesamtheit der verfügbaren Zeugnisse rekonstruiert werden und nicht aus einem einzelnen, isoliert betrachteten Bericht (Lukas 1.1-4; Johannes 20.30-31).
Unser Ziel ist es daher nicht, verborgene Ereignisse aufzudecken, sondern eine harmonisierte Lesart der Zeugnisse des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes zu den Ereignissen rund um die Auferstehung des Messias Jesus vorzuschlagen.
Das Verständnis dieser Berichte erfordert, den Wegen der verschiedenen Zeugen aufmerksam zu folgen. Die scheinbaren Schwierigkeiten rühren oft daher, dass mehrere Gruppen gleichzeitig innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums handeln, während jeder Evangelist seinen Bericht auf bestimmte Personen oder bestimmte Szenen konzentriert.
Es ist ebenfalls wahrscheinlich, dass die Jünger und die Frauen es vermieden, sich in allzu großen Gruppen zu bewegen. Nach der Verhaftung und Kreuzigung Jesu blieben die religiösen Autoritäten seinen Anhängern gegenüber feindlich gesinnt (Johannes 20.19). In diesem Zusammenhang war Zurückhaltung vermutlich ein Gebot der Vorsicht.
Die Evangelien haben nicht zum Ziel, einen fortlaufenden, minutengenauen Bericht der Ereignisse zu liefern. Jeder Autor fasst bestimmte Szenen zusammen und legt den Schwerpunkt auf die Elemente, die er für seine Darlegung als wesentlich erachtet. Eine isolierte Lektüre jedes einzelnen Berichts kann daher den Eindruck von Abweichungen erwecken, während eine Gesamtlektüre es oft erlaubt, eine stimmige und harmonische Chronologie zu rekonstruieren.
Der wichtigste Punkt betrifft den Weg der Maria Magdalena. Nach dem Bericht des Johannes stellt sie fest, dass der Stein weggewälzt ist, und verlässt sofort den Ort, um Petrus und den geliebten Jünger zu benachrichtigen, noch bevor sie die Engel gesehen oder die Verkündigung der Auferstehung gehört hat (Johannes 20.1-2). Ihr erstes Zeugnis betrifft im Übrigen nicht die Auferstehung, sondern das scheinbare Verschwinden des Leichnams: „Sie haben den Herrn aus dem Grab genommen“ (Johannes 20.2).
Währenddessen bleiben die anderen Frauen in der Nähe des Grabes. Sie nähern sich der Grabstätte weiter, betreten sie und empfangen die Botschaft der Engel, die verkünden, dass Jesus auferstanden ist (Matthäus 28.5-7; Markus 16.5-7; Lukas 24.3-8).
Nachdem sie das Zeugnis der Maria Magdalena erhalten haben, gehen Petrus und Johannes ihrerseits zum Grab (Johannes 20.3-4). Sie stellen das Fehlen des Leichnams sowie die ordentliche Anordnung der Leinentücher fest (Johannes 20.6-8). Nach Abschluss ihrer Beobachtungen kehren sie nach Jerusalem zurück (Johannes 20.10).
Maria Magdalena kehrt nun zum Grab zurück und bleibt allein bei der Grabstätte. In diesem Augenblick sieht sie die Engel und begegnet dann dem auferstandenen Herrn (Johannes 20.11-17). Damit wird sie die erste Person, die in den Evangelien ausdrücklich als diejenige genannt wird, die den auferstandenen Christus gesehen hat (Markus 16.9).
Nach dieser Rekonstruktion überschneiden sich mehrere aufeinanderfolgende Wege:
die Frauen verlassen Jerusalem, um zum Grab zu gehen;
Maria Magdalena bricht rasch wieder auf, um die Jünger zu benachrichtigen;
die anderen Frauen bleiben bei der Grabstätte;
Petrus und Johannes gehen anschließend zum Grab;
Maria kommt mit ihnen oder kurz nach ihnen zurück;
Petrus und Johannes kehren nach Jerusalem zurück;
Maria bleibt allein beim Grab;
der auferstandene Herr erscheint ihr.
Diese Abfolge von Bewegungen erklärt auf natürliche Weise, warum manche Zeugen bestimmte Ereignisse miterleben, während andere sie nicht erwähnen. Die Evangelienberichte erscheinen dann nicht als widersprüchlich, sondern als einander ergänzend. Jeder Autor beschreibt einen besonderen Teil eines komplexen Ereignisses, an dem mehrere Personengruppen, zahlreiche Ortswechsel und eine rasche Abfolge von Geschehnissen voller Emotionen und geistlicher Bedeutung beteiligt sind.
XV - Wichtige Entscheidung innerhalb dieser Chronologie
Die von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes berichteten Auferstehungserzählungen weisen eine bemerkenswerte Gesamtstimmigkeit auf, auch wenn jeder Evangelist auf besondere Aspekte der Ereignisse den Akzent legt. Die Evangelien erheben nicht den Anspruch, einen erschöpfenden Bericht aller beobachteten Tatsachen zu liefern, sondern wählen die Elemente aus, die sie für ihre theologische Darlegung als am wichtigsten erachten (Johannes 20.30-31; Lukas 1.1-4). Diese Berichte sind daher als einander ergänzende Zeugnisse und nicht als konkurrierende Beschreibungen zu betrachten.
Die erste Schwierigkeit betrifft den Besuch des Simon Petrus und des geliebten Jüngers am Grab. Lukas berichtet, dass Petrus nach dem Zeugnis der Frauen zur Grabstätte geht, erwähnt aber nicht die Anwesenheit des Johannes (Lukas 24.12). Johannes seinerseits hält fest, dass er Petrus bei diesem Gang begleitete (Johannes 20.3-8). Dieser Unterschied ist kein Widerspruch. Die biblischen Autoren lassen häufig bestimmte Personen aus, wenn sie für das verfolgte Ziel nicht wesentlich sind. So erwähnt Markus in der Dekapolis nur einen Besessenen, während Matthäus zwei erwähnt (Markus 5.1-20; Matthäus 8.28). Ebenso beschließt Lukas hier, seine Aufmerksamkeit auf Petrus zu richten, die Hauptgestalt des Apostelkreises, während Johannes eine ergänzende Information liefert, indem er seine eigene Anwesenheit angibt.
Die zweite Schwierigkeit betrifft die Begegnung zwischen Maria Magdalena und dem auferstandenen Jesus. Der Bericht des Johannes scheint Maria allein beim Grab darzustellen (Johannes 20.11-18). Die synoptischen Evangelien zeigen jedoch deutlich, dass bei diesem morgendlichen Besuch mehrere Frauen anwesend waren (Matthäus 28.1; Markus 16.1; Lukas 24.10). Zu ihnen gehörten namentlich Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus und des Joses, Salome und weitere Frauen, die aus Galiläa gekommen waren.
Dieser Unterschied lässt sich durch die literarische Entscheidung des Johannes erklären, seine Aufmerksamkeit auf Maria Magdalena zu richten. Sie nimmt unter den Jüngern Jesu in der Tat eine besondere Stellung ein. Die Evangelien erinnern daran, dass sie von sieben Dämonen befreit worden war (Lukas 8.2; Markus 16.9) und zu den Frauen gehörte, die den Dienst Jesu materiell unterstützten (Lukas 8.1-3). Ihr Zeugnis hat daher in der urchristlichen Überlieferung besondere Bedeutung. Es ist somit möglich, dass Johannes ihre persönliche Erfahrung bewusst hervorhob, ohne die anderen anwesenden Frauen systematisch erwähnen zu wollen.
Die dritte Schwierigkeit betrifft die Zahl der Hin- und Rückwege der Maria Magdalena zwischen dem Grab und den Jüngern. Der johanneische Bericht scheint zwei aufeinanderfolgende Verkündigungen zu unterscheiden. Zunächst teilt Maria Petrus und Johannes mit, dass das Grab leer ist und der Leichnam Jesu verschwunden ist: „Sie haben den Herrn aus dem Grab genommen, und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben“ (Johannes 20.2). In diesem Augenblick hat sie noch keinerlei Gewissheit über die Auferstehung.
In einem zweiten Schritt, nachdem sie die Engel gesehen und dann dem auferstandenen Jesus begegnet ist, kehrt sie mit einer völlig anderen Botschaft zu den Jüngern zurück: „Ich habe den Herrn gesehen“ (Johannes 20.18). Schon die Natur dieser beiden Aussagen macht es schwierig, sie zu einer einzigen Verkündigung zu verschmelzen. Die erste drückt das Unverständnis angesichts eines leeren Grabes aus; die zweite ist ein unmittelbares Zeugnis von der Auferstehung.
Wenn Matthäus nur eine einzige Verkündigung der Frauen an die Jünger berichtet (Matthäus 28.8-10), kann dies durch sein erzählerisches Ziel erklärt werden. Die erste von Maria Magdalena übermittelte Nachricht trägt nichts zur Auferstehung selbst bei. Matthäus behält daher wahrscheinlich nur die für seine Darlegung wesentliche Verkündigung bei, nämlich diejenige, die den Sieg des Christus über den Tod betrifft.
Nach dieser Annahme wären die Engel den Frauen, aber nicht den Aposteln erschienen. Petrus und Johannes stellen lediglich den Zustand des Grabes und die darin liegenden Tücher fest (Johannes 20.5-7), während die Engel den Frauen erscheinen, um ihnen zu verkünden, dass Jesus auferstanden ist (Matthäus 28.5-7; Lukas 24.4-8). Diese Unterscheidung erklärt, warum keiner der beiden Apostel berichtet, bei seinem Besuch die himmlischen Boten gesehen zu haben.
Wir halten daher an der Annahme fest, dass Maria Magdalena die erste Person war, die den auferstandenen Herrn sah (Markus 16.9), ohne deshalb zwangsläufig vom Rest der Gruppe der Frauen getrennt gewesen zu sein. Ihre Rolle wird von den Evangelisten wegen des Wertes ihres Zeugnisses und ihrer Nähe zu Jesus besonders hervorgehoben.
Allgemeiner zeigen die Evangelien, dass jeder Autor die Einzelheiten auswählt, die er für seine Aussage als nützlich erachtet. Das Fehlen einer Angabe in einem Bericht bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie nicht existiert, sondern spiegelt oft eine redaktionelle Entscheidung wider. Deshalb ermöglicht eine harmonisierte Lesart der vier Zeugnisse ein besseres Verständnis der Abfolge der Ereignisse und lässt ihre tiefe Ergänzung hervortreten (Lukas 1.1-4; Johannes 21.25).
Schlussfolgerung
Die Evangelien des Matthäus, Markus, Lukas und Johannes bemühen sich nicht darum, eine erschöpfende und detaillierte Chronologie der Ereignisse des Auferstehungstages aufzustellen. Jeder Autor wählt die Tatsachen aus, die er für seine Aussage am bedeutsamsten hält, und rückt bestimmte Zeugen oder besondere Erscheinungen ins Licht. Diese in der antiken Geschichtsschreibung übliche Darstellungsweise erfordert eine vergleichende Analyse der verschiedenen Berichte, um die wahrscheinliche Abfolge der Ereignisse zu rekonstruieren.
Die hier durchgeführte Studie zeigt, dass es möglich ist, eine stimmige Harmonisierung der vier Evangelienzeugnisse vorzunehmen, ohne die Richtigkeit der von ihnen berichteten Angaben in Frage zu stellen. Die beobachteten Unterschiede betreffen hauptsächlich den Detailgrad, die Wahl der hervorgehobenen Personen und den Aufbau der Erzählung und nicht die Tatsachen selbst. Weit davon entfernt, einander zu widersprechen, erscheinen die Berichte als einander ergänzend und tragen gemeinsam zu einem umfassenderen Verständnis dieses außergewöhnlichen Tages bei.
Die vorgeschlagenen Schlussfolgerungen bleiben jedoch Arbeitshypothesen. Wie jede auf alten Quellen beruhende chronologische Rekonstruktion bleiben sie für Diskussionen offen und können im Licht neuer Argumente oder zusätzlicher Beobachtungen erneut geprüft werden. Unser Ziel ist es nicht, eine endgültige Lösung aufzuzwingen, sondern die Erklärung vorzuschlagen, die uns derzeit am besten mit der Gesamtheit der biblischen Angaben übereinzustimmen scheint.
In dieser Studie haben wir die Ereignisse des Auferstehungstages untersucht, den wir mit dem Sonntag, 3. April 33 n. Chr. identifizieren. Die Analyse der Erscheinungen des auferstandenen Christus endet jedoch nicht mit diesem einen Tag. Die Offenbarungen des Herrn während der vierzig Tage vor seiner Himmelfahrt bilden ein umfassenderes Ganzes, das eine eigene Studie verdient (Apostelgeschichte 1.3). Deshalb haben wir den Anhang ANN090 der ausführlichen Untersuchung dieser verschiedenen Erscheinungen und ihrer Einordnung in eine Gesamtchronologie gewidmet.
Schließlich ist die Stimmigkeit, die sich aus dieser Harmonisierung ergibt, keineswegs überraschend. Johannes und Matthäus gehörten zu den unmittelbaren Zeugen der Ereignisse, während Markus einen bedeutenden Teil seiner Informationen sehr wahrscheinlich vom Apostel Petrus bezogen hat (1. Petrus 5.13). Lukas wiederum erklärt, er habe bei den Augenzeugen gründlich nachgeforscht, um einen geordneten und verlässlichen Bericht weiterzugeben (Lukas 1.1-4). So stimmen die vier Evangelien trotz ihrer unterschiedlichen Blickwinkel darin überein, die Wirklichkeit des leeren Grabes und der Erscheinungen des auferstandenen Christus zu bezeugen, die das eigentliche Fundament des christlichen Glaubens sind (1. Korinther 15.3-8).
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INF094
Hinweis
INF094 - Ein Zenturio oder Hauptmann
Ein Zenturio oder Hauptmann
Ein Zenturio oder Hauptmann war ein Offizier des römischen Heeres. Der Begriff „Zenturio“ leitet sich vom lateinischen Wort „centuria“ ab, das „hundert“ bedeutet, auch wenn die Zahl der Soldaten unter dem Befehl eines Zenturios nicht immer genau hundert betrug. Hier einige Kernpunkte zur Rolle und zu den Aufgaben eines Zenturios:
Rolle und Aufgaben
Befehlsgewalt: Ein Zenturio befehligte eine Centuria, eine Einheit, die gewöhnlich aus 80 bis 100 Soldaten bestand. In einer römischen Legion gab es etwa 60 Centurien, jede von einem Zenturio geführt. Disziplin und Ausbildung: Die Zenturionen waren für die Disziplin, die Ausbildung und die Moral ihrer Soldaten verantwortlich. Sie spielten eine entscheidende Rolle für die Aufrechterhaltung der Ordnung und der Schlagkraft des Heeres. Militärische Erfahrung:Die Zenturionen waren oft erfahrene Veteranen, die dank ihrer Tüchtigkeit und ihrer Tapferkeit im Kampf aufgestiegen waren. Gesellschaftliche Stellung: Zenturio zu sein bedeutete ein Amt mit Ansehen und Autorität. Sie wurden nicht nur im Heer, sondern auch in der Zivilgesellschaft geachtet.
Biblisches Beispiel
In den Evangelien wird ein Zenturio oft in einem positiven Zusammenhang erwähnt, etwa der Hauptmann von Kapernaum, der um die Heilung seines Dieners bittet (Matthäus 8.5-13; Lukas 7.1-10), oder der Zenturio, der bei der Kreuzigung die Göttlichkeit Jesu erkennt (Matthäus 27.54; Markus 15.39).
Die Zenturionen sind bedeutende Gestalten, die zeigen, wie weit der Einfluss Jesu über die jüdischen Grenzen hinausreichte und sogar Vertreter des römischen Heeres erreichte.
INF087
Hinweis
INF087 - Der See Genezareth
Der See Genezareth
Der See Genezareth, auch bekannt als Galiläisches Meer, See von Tiberias oder See Kinneret, ist ein bedeutendes Gewässer in Israel, das in den Evangelien mehrfach erwähnt wird. Hier einige wichtige Punkte dazu:
Lage und Geografie
Lage: Der See Genezareth liegt im Norden Israels, in Galiläa, in der Nähe der Golanhöhen. Er befindet sich etwa 200 Meter unter dem Meeresspiegel und ist damit einer der am tiefsten gelegenen Süßwasserseen der Welt. Abmessungen: Der See ist etwa 21 Kilometer lang und 13 Kilometer breit und hat eine Fläche von 166 km². Seine maximale Tiefe beträgt etwa 43 Meter.
Namen und Bedeutungen
Galiläisches Meer: Dieser Name wird im Neuen Testament häufig verwendet. See von Tiberias:So benannt nach der Stadt Tiberias, die an seinem Westufer liegt. See Kinneret: Abgeleitet vom hebräischen „Kinneret“ (was „Harfe“ bedeutet), wegen der Form des Sees, die einer antiken Harfe ähnelt.
Biblische Bedeutung
Dienst Jesu: Der See Genezareth ist ein zentraler Ort im Dienst des Messias Jesus. Viele Wunder und Lehren Jesu geschahen rund um diesen See, insbesondere das Wandeln auf dem Wasser (Matthäus 14.22-33), die Stillung des Sturms (Markus 4.35-41) und der wunderbare Fischfang (Lukas 5.1-11). Berufung der Jünger: Die ersten Jünger des Messias Jesus, wie Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes, waren Fischer, die auf diesem See arbeiteten. Wunder und Lehren: Der See ist der Schauplatz vieler Wunder und Lehren Jesu, die seine Macht über die Natur und seine Beziehung zu seinen Jüngern veranschaulichen.
Historische und kulturelle Bedeutung
Lokale Wirtschaft: Der See Genezareth war schon immer eine wichtige Lebensgrundlage für die einheimischen Fischer und Landwirte. Tourismus und Pilgerreisen: Heute ist der See ein Touristenziel und ein Wallfahrtsort für Christen aus aller Welt, die von den biblischen Stätten und den landschaftlichen Schönheiten der Region angezogen werden.
Ökologie und Umwelt
Biodiversität: Der See beherbergt eine Vielfalt an Wassertieren und Zugvögeln, was die Region zu einem reichen und vielfältigen Ökosystem macht. Umweltprobleme: Wie viele Gewässer steht auch der See Genezareth vor Umweltproblemen, insbesondere in Bezug auf Wasserbewirtschaftung und Verschmutzung.
Israel hat ein Projekt ins Leben gerufen, um den See Genezareth (auch Galiläisches Meer oder See von Tiberias genannt) mit entsalztem Wasser aufzufüllen. Dieses Projekt soll den Wasserstand des Sees erhalten, der durch jahrelange Trockenheit, unregelmäßige Niederschläge und Wasserumleitungen beeinträchtigt wurde.
Das entsalzte Wasser stammt aus dem Mittelmeer und wird über eine spezielle Leitung zum See transportiert. Es ist eine einzigartige Initiative, um der Region eine nachhaltige Quelle von Wasser zu sichern.
Zusammenfassend ist der See Genezareth ein Ort von großer geografischer, historischer, kultureller und biblischer Bedeutung, der in vielen Berichten der Evangelien eine zentrale Rolle spielt und weiterhin ein bedeutender Ort für Pilger und Touristen ist.
INF380
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INF380 - Die jüdischen Autoritäten
Die jüdischen Autoritäten
Die Autoritäten, die in Apostelgeschichte 4.1-3 die Verhaftung von Petrus und Johannes anordnen, bilden eine Gruppe besonders einflussreicher religiöser Führer. Lukas nennt drei verschiedene Gruppen: die Priester, den Hauptmann des Tempels und die Sadduzäer. Ihr Eingreifen hilft, die Machtverhältnisse besser zu verstehen, die zu Beginn der Gemeinde in Jerusalem bestanden.
1- Die Priester
Mit den „Priestern“ sind diejenigen gemeint, die den täglichen Dienst im Tempel versahen. Einige gehörten zu den einflussreichsten Priesterfamilien, und mehrere waren Mitglieder des Hohen Rates. Ihr Amt verlieh ihnen beträchtliche Autorität über das religiöse Leben des Volkes.
Der Tempel war der Mittelpunkt des jüdischen Lebens. Zwei Galiläer öffentlich in seinen Vorhöfen lehren, die Menge anziehen und Wunder tun zu sehen, konnte als Infragestellung der eigenen Autorität empfunden werden. Die priesterlichen Führer hatten bereits eine entscheidende Rolle im Prozess gegen Jesus gespielt (Johannes 11.47-53; Johannes 18.13-14) und sahen sich nun mit seinen Jüngern konfrontiert.
2- Der Tempelhauptmann
Lukas erwähnt außerdem „den Hauptmann des Tempels“ (Apostelgeschichte 4.1). Wahrscheinlich war er der Vorsteher der Tempelwache, eine sehr wichtige Persönlichkeit in der jüdischen Hierarchie. Nach jüdischen Quellen, vor allem der Mischna, beaufsichtigte dieser Verantwortliche die Leviten, die für die Sicherheit und die Aufrechterhaltung der Ordnung im heiligen Bezirk zuständig waren.
Es handelte sich nicht um einen römischen Offizier, sondern um einen jüdischen Amtsträger. Seine Aufgabe bestand darin, jede Unruhe zu verhindern, die ein Eingreifen der römischen Behörden hätte nach sich ziehen können. Sein Rang war besonders hoch, unmittelbar nach dem des Hohenpriesters.
Die Verhaftung von Petrus und Johannes war also keine improvisierte Aktion, sondern eine offizielle Maßnahme der anerkannten Autoritäten des Tempels.
3- Die Sadduzäer
Lukas hebt vor allem die Anwesenheit der Sadduzäer hervor (Apostelgeschichte 4.1-2). Diese Gruppe bestand größtenteils aus den reichsten und einflussreichsten Priesterfamilien. Sie pflegten im Allgemeinen gute Beziehungen zu den römischen Behörden, um ihre privilegierte Stellung zu bewahren.
Im Gegensatz zu den Pharisäer lehnten die Sadduzäer mehrere wichtige Lehren ab:
die Auferstehung der Toten (Matthäus 22.23);
die Existenz von Engeln und Geistern (Apostelgeschichte 23.8);
bestimmte mündliche Überlieferungen, die von den Pharisäer entwickelt wurden.
Die apostolische Verkündigung stieß unmittelbar auf ihre Überzeugungen. Zu verkünden, dass Jesus auferstanden war, kam einer Bestätigung genau der Lehre gleich, die sie bekämpften. Es überrascht daher nicht, dass Lukas ihre Verärgerung betont (Apostelgeschichte 4.2).
4- Ein Widerstand, dem Jesus bereits begegnet war
Es ist auffällig, dass dieselben Gruppen, die zur Verurteilung Jesu beigetragen hatten, sich nun seinen Jüngern gegenübersehen. In gewissem Sinn setzen Petrus und Johannes den Dienst ihres Meisters fort und treffen auf dieselben Gegner.
Diese Kontinuität zeigt sich deutlich in den Berichten der Evangelien. Die religiösen Führer hatten versucht, Jesus zum Schweigen zu bringen (Markus 14.53-65); nun versuchen sie, seine Zeugen zum Schweigen zu bringen.
5- Der Hohe Rat im Hintergrund
Obwohl die Versammlung des Hohen Rates in Apostelgeschichte 4.1-3 noch nicht ausdrücklich erwähnt wird, zeichnet sie sich bereits hinter dieser Verhaftung ab. Am folgenden Tag werden Petrus und Johannes tatsächlich vor diese oberste Versammlung geführt (Apostelgeschichte 4.5-6).
Die Versammlung des Hohen Rates setzte sich aus etwa siebzig Mitgliedern zusammen, darunter:
der Hohepriester;
die Ältesten des Volkes;
die Hohenpriester;
die Schriftgelehrten und Gesetzeslehrer;
Vertreter der Parteien der Sadduzäer und der Pharisäer.
Unter der römischen Herrschaft behielt diese Institution eine weitreichende religiöse und richterliche Autorität, auch wenn die Befugnis, ein Todesurteil zu vollstrecken, stark eingeschränkt war.
6- Eine Sorge, mehr als bloße lehrmäßige Feindschaft
Der Widerstand der jüdischen Autoritäten lässt sich nicht allein durch theologische Meinungsverschiedenheiten erklären. Mehrere Umstände mussten sie beunruhigen:
das rasche Wachstum der christlichen Bewegung (Apostelgeschichte 2.41);
der wachsende Einfluss der Apostel auf die Bevölkerung;
die öffentlich vollbrachten Wunder (Apostelgeschichte 4.16);
die Gefahr eines Volksaufruhrs, der ein römisches Eingreifen nach sich ziehen konnte;
die stillschweigende Infragestellung ihrer eigenen religiösen Autorität.
Wenige Wochen zuvor hatten sie wahrscheinlich geglaubt, die Kreuzigung Jesu werde seiner Bewegung endgültig ein Ende setzen. Nun stellen sie überrascht fest, dass seine Jünger sein Werk mit neuer Zuversicht fortführen.
7- Eine erste Konfrontation, die sich wiederholen sollte
Diese Verhaftung eröffnet eine lange Reihe von Auseinandersetzungen zwischen den jüdischen Autoritäten und den Aposteln. Petrus und Johannes werden mehrmals vor der Versammlung des Hohen Rates erscheinen (Apostelgeschichte 4.5-22; Apostelgeschichte 5.27-40), Stephanus wird zum Tod verurteilt werden (Apostelgeschichte 7.54-60), und Saulus von Tarsus wird vor seiner Bekehrung zu einem der Hauptverfolger der Gemeinde (Apostelgeschichte 8.1-3).
Paradoxerweise trägt dieser Widerstand nur zur Verbreitung des Christentums bei, ganz im Sinne des vom Herrn angekündigten Programms: „Ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde“ (Apostelgeschichte 1.8).
8- Eine interessante Bemerkung
Lukas erwähnt hier die Pharisäer nicht. Dieses Schweigen ist wahrscheinlich bedeutsam. Die Hauptgegner der Apostel in den ersten Kapiteln der Apostelgeschichte scheinen die Sadduzäer und die Priesterfamilien zu sein, die den Tempel kontrollierten. Die Pharisäer, obwohl sie der christlichen Bewegung in mehreren Punkten ablehnend gegenüberstanden, erscheinen bisweilen gemäßigter, wie später das Eingreifen von Gamaliel (Apostelgeschichte 5.34-39) zeigen wird. Diese Nuance ist wichtig, um die Vielfalt des Judentums im ersten Jahrhundert zu verstehen.
INF003
Hinweis
INF003 - Das Sanhedrin
Der Hohe Rat
Der Hohe Rat war eine Schlüsselinstitution im antiken Judentum mit gesetzgebenden, richterlichen und religiösen Aufgaben. Hier einige wesentliche Punkte dazu:
Der Hohe Rat (oder jüdische Sanhedrin) bezeichnet zur Zeit des Zweiten Tempels (ca. 2. Jh. v. Chr. – 70 n. Chr.) die oberste Instanz der religiösen, rechtlichen und zuweilen auch politischen Autorität des Judentums in Judäa.
Wesentliche Punkte
Zusammensetzung und Sitz: traditionell 71 Mitglieder (der Nasi/Präsident, der Av Beit Din/Vizepräsident sowie Richter/Weise). Er tagte in Jerusalem, nahe beim Tempel, wahrscheinlich in einem Saal, der „Halle der behauenen Steine“ genannt wurde.
Zuständigkeiten: Auslegung des Gesetzes (Tora), Festlegung religiöser Normen, Schlichtung wichtiger Streitfälle, Aufsicht über den Kalender (Heiligung der Monate und Schaltungen), Bestätigung von Gemeindeverordnungen und – theoretisch – Aburteilung der schwersten Fälle. Unter römischer Herrschaft waren seine Strafgewalten begrenzt.
Historische Quellen: Anklänge daran finden sich in den Evangelien (der Prozess Jesu, der einen jüdischen Rat erwähnt) und vor allem in der rabbinischen Literatur (Mischna, Talmud), die seine ideale Arbeitsweise und seine Verfahrensregeln beschreibt.
Verfahrensweise: Zeugenaussagen wurden von einem Gremium geprüft, hohe Anforderungen an die Glaubwürdigkeit der Zeugen, erforderliches Quorum, Abstimmung beginnend mit den jüngsten Richtern, um den Einfluss der Älteren zu vermeiden, Vorrang des Freispruchs im Zweifelsfall; bei Kapitalverbrechen galten noch strengere Regeln.
Nach 70: Die Zerstörung des Tempels durch die Römer beendete den Hohen Rat in der Form, wie er in Jerusalem bestanden hatte. In Galiläa bildete sich eine rabbinische Autorität neu (Javne, dann Uscha, Sepphoris, Tiberias), die gelegentlich in Analogie „Sanhedrin“ genannt wird und sich auf Studium, Halacha und Gemeindeorganisation konzentrierte; sie verlor etwa im 4.–5. Jahrhundert an Bedeutung.
Erbe: Der Hohe Rat symbolisiert das Ideal einer gelehrten kollegialen Autorität im Judentum. Talmudische Traktate (insbesondere Sanhedrin, Makkot) bewahren seine theoretischen Regeln, die das jüdische Rechtsdenken beeinflusst haben. In der Neuzeit wurde der Begriff in Analogie wieder aufgegriffen (z. B. das von Napoleon 1807 einberufene „Große Sanhedrin“), ohne institutionelle Kontinuität zur Antike.
Begriffe
Nasi: Präsident des Hohen Rates; Überlieferungen schreiben diese Rolle Hillel dem Älteren und seinen Nachkommen in der späteren Zeit zu.
Av Beit Din: „Vater des Gerichts“, Stellvertreter des Nasi.
Beit Din: rabbinisches Gericht; im Plural bezeichnet es auch örtliche Gerichte mit 23 Richtern (für schwere Fälle) oder 3 Richtern (für Zivilsachen).
Grenzen und Debatten
Geschichte vs. normatives Ideal: Die talmudischen Beschreibungen vermischen historische Erinnerungen mit rechtlichen Idealmodellen; Historiker diskutieren, wie weit seine Befugnisse in den einzelnen Epochen tatsächlich reichten.
Strafgerichtsbarkeit unter Rom: Die Befugnis, die Todesstrafe zu vollstrecken, ist besonders umstritten; sie war gegen Ende der Epoche wahrscheinlich stark eingeschränkt.
Kurz gesagt: Der Hohe Rat war die höchste gelehrte und richterliche Instanz des Judentums zur Zeit des Zweiten Tempels, mit zentraler Rolle bei der Gesetzesauslegung und dem Zusammenhalt der Gemeinschaft; seine antike Form verschwindet nach 70, doch sein Modell prägt weiterhin die rabbinische Organisation und das jüdische Rechtsdenken.
INF004
Hinweis
INF004 - Die Römer
Die Römer
Im Jahr 63 v. Chr. fiel der römische Feldherr Pompeius in das Gebiet Israels ein und nahm Jerusalem ein. Dank Julius Caesar wurde das Judentum im Jahr 45 v. Chr. eine erlaubte Religion.
Fünf Jahre später, 40 v. Chr., beendete Kaiser Augustus die hasmonäische Dynastie und ernannte Herodes den Großen, einen Idumäer und somit nicht von königlicher Abstammung, zum König der Juden.
Einige Jahre nach dem Tod Herodes des Großen, im Jahr 6 n. Chr., änderte Rom den Status von Judäa sowie von Samaria und Idumäa (dem biblischen Edom) und machte sie zu römischen Provinzen, die der Verantwortung römischer Prokuratoren unterstellt wurden.
Die Söhne des Herrschers Herodes wurden von der römischen Obrigkeit zu Tetrarchen erhoben und regierten diese verschiedenen Provinzen unter der Aufsicht der Prokuratoren.
Während des Dienstes des Messias Jesus teilten sich somit ein Präfekt, Pontius Pilatus, und ein Tetrarch, Herodes Antipas, die Macht. Die beiden Männer hassten einander bis zu dem Tag, an dem der Messias Jesus verurteilt wurde (Lukas 23.12).
Vierzig Jahre nach der Kreuzigung des Messias Jesus wurde der im Jahr 66 begonnene Aufstand der Juden niedergeschlagen. Titus zerstörte im Jahr 70 den Tempel von Jerusalem, und alles endete mit dem Fall von Masada am 2. Mai 73.
Weitere Aufstände folgten bis zum Jahr 135.
Im Jahr 130 veränderte Kaiser Hadrian erneut den Status des Landes Israel, indem er eine neue römische Kolonie gründete; der Name Jerusalem wurde durch Aelia Capitolina ersetzt.
Der Messias Jesus übte seinen Dienst in einem von den Römern besetzten Gebiet aus, mit einem von Rom eingesetzten Statthalter.
Drei Männer teilten sich somit zu dieser Zeit der Geschichte die Leitung des Landes Israel:
Pontius Pilatus, der römische Präfekt, besaß alle Gewalt, insbesondere über Judäa.
Herodes Antipas herrschte über Galiläa und Peräa.
Der Hohepriester Kajaphas war für die religiösen Fragen zuständig.
INF089
Hinweis
INF089 - Der Sabbat
Der Sabbat
Der Sabbat ist ein Tag der Ruhe und der Heiligung in der jüdischen Tradition, gehalten von Freitagabend bis Samstagabend. Hier einige wichtige Punkte, die man über den Sabbat wissen sollte:
Ursprung und Bedeutung
Biblisches Gebot: Der Sabbat gehört zu den Zehn Geboten, die Gott Mose auf dem Berg Sinai gegeben hat. Er wird mehrfach in der Tora erwähnt, insbesondere in 2. Mose (Exodus) 20.8-11 und 5. Mose (Deuteronomium) 5.12-15. Schöpfung: Der Sabbat erinnert an Gottes Ruhetag nach den sechs Schöpfungstagen, wie er in 1. Mose (Genesis) 2.2-3 beschrieben wird. Befreiung aus Ägypten: Neben der Schöpfung ist der Sabbat auch eine Erinnerung an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten und steht damit für Freiheit und Heiligung.
Einhaltung und Bräuche
Ruhe: Der Sabbat ist ein Tag völliger Ruhe, an dem schöpferische Arbeiten (genannt „Melachot“) verboten sind. Dazu gehören Tätigkeiten wie Kochen, Schreiben, Feuer anzünden und vieles mehr. Feier: Der Sabbat beginnt am Freitagabend mit einem festlichen Mahl, dem oft das Anzünden der Sabbatkerzen vorausgeht. Besondere Gebete wie der Kiddusch (Heiligung) werden gesprochen. Gottesdienste: Praktizierende Juden besuchen die Gottesdienste in den Synagogen, wo besondere Lesungen aus der Tora und Gebete gehalten werden.
Zeit mit der Familie und Spiritualität: Der Sabbat ist auch eine Zeit des familiären Zusammenseins, des Studiums der Tora und der geistlichen Besinnung.
Geistliche Bedeutung
Verbundenheit mit Gott: Der Sabbat ist eine Zeit, die der Spiritualität und der Stärkung der Verbundenheit mit Gott gewidmet ist, eine Zeit körperlicher und geistlicher Ruhe. Gemeinschaft: Der Sabbat fördert das Zusammenkommen in Gemeinde und Familie und stärkt so die sozialen und religiösen Bande.
Die Bedeutung des Sabbats für die Juden
Für die Juden ist der Sabbat weit mehr als nur ein Ruhetag. Er ist eine wöchentliche Erinnerung an die Erschaffung der Welt und ein Zeichen des Bundes zwischen Gott und dem Volk Israel. Der Sabbat ist eine heilige Zeit, die dem Gebet, der geistlichen Besinnung und der Gemeinschaft in Familie und Gemeinde gewidmet ist.
Zur Einhaltung des Sabbats gehören der Verzicht auf jede Arbeit, die Teilnahme an den Gottesdiensten in der Synagoge, die Zubereitung besonderer Mahlzeiten und das Feiern im Kreis der Familie. Es ist eine Zeit, um sich von materiellen Sorgen zu lösen und sich auf das Geistliche zu konzentrieren und so die Verbundenheit mit Gott und mit den Nächsten zu stärken.
Der Sabbat zur Zeit Jesu
Zur Zeit Jesu hatte der Sabbat eine große religiöse und gesellschaftliche Bedeutung. Die Sabbatgesetze wurden peinlich genau beachtet, und die Pharisäer wie auch die Schriftgelehrten achteten besonders streng auf deren Einhaltung. Sie hatten ein ausführliches Regelwerk erarbeitet, um festzulegen, was am Sabbat als verbotene „Arbeit“ galt.
Jesus stellte diese starren Auslegungen der Sabbatgesetze jedoch oft infrage. So heilte er am Sabbat Kranke, was zu Auseinandersetzungen mit den religiösen Autoritäten seiner Zeit führte. Jesus lehrte, dass der Sabbat um des Menschen willen gemacht ist und nicht der Mensch um des Sabbats willen (Markus 2.27), und betonte damit die Bedeutung von Mitgefühl und Menschlichkeit gegenüber strengen Regeln.
Jesu Umgang mit dem Sabbat machte den Gedanken deutlich, dass die religiösen Gesetze dem Wohl der Menschen dienen sollten, statt zu drückenden Lasten zu werden. Diese Sicht trug zu den Spannungen zwischen ihm und den religiösen Autoritäten bei und spielte eine Rolle in den Konflikten, die schließlich zu seiner Kreuzigung führten.
Der Sabbat ist eine zentrale Einrichtung des Judentums und steht für Ruhe, Heiligung und die Verbundenheit mit Gott. Er spielt eine wesentliche Rolle im religiösen und gesellschaftlichen Leben der Juden und bietet eine wöchentliche Pause, die der Besinnung, dem Gebet und der Gemeinschaft mit den Nächsten gewidmet ist.