Die Liste der Apostel
Wenn man sich für die Liste der Apostel in Apostelgeschichte 1.13 interessiert, lassen sich mehrere historische und theologische Beobachtungen machen. Diese Aufzählung ist nicht bloß eine Namensliste; sie markiert die Kontinuität zwischen dem irdischen Wirken Jesu und den Anfängen der Gemeinde.
Nach ihrer Rückkehr nach Jerusalem zählt Lukas die elf Apostel auf, die im Obergemach anwesend sind: „Petrus, Johannes, Jakobus, Andreas, Philippus, Thomas, Bartholomäus, Matthäus, Jakobus, der Sohn des Alphäus, Simon der Zelot und Judas, der Sohn des Jakobus“ (Apostelgeschichte 1.13). Diese Liste ähnelt denen der Evangelien (Matthäus 10.2-4; Markus 3.16-19; Lukas 6.14-16), was die Beständigkeit der apostolischen Überlieferung zeigt, die von den ersten Christen weitergegeben wurde.
Das Fehlen des Judas Iskariot fällt natürlich auf. Nach seinem Verrat und seinem Tod ist der Apostelkreis auf elf Mitglieder geschrumpft (Matthäus 27.3-10; Apostelgeschichte 1.18-19). Dieser vorläufige Zustand wird bald durch die Wahl des Matthias behoben, um die Zahl Zwölf sinnbildlich wiederherzustellen, eine Zahl, die an die zwölf Stämme Israels erinnert (Apostelgeschichte 1.21-26; Matthäus 19.28).
Die Reihenfolge, in der die Apostel genannt werden, ist wahrscheinlich nicht zufällig. Petrus steht durchgehend an der Spitze der vier Listen des Neuen Testaments (Matthäus 10.2; Markus 3.16; Lukas 6.14; Apostelgeschichte 1.13). Diese Stellung spiegelt eher seine Rolle als natürlicher Sprecher der Gruppe wider als eine hierarchische Überlegenheit. Die Apostelgeschichte stellt ihn übrigens als die beherrschende Gestalt der ersten Kapitel dar (Apostelgeschichte 2.14; Apostelgeschichte 3.1-12; Apostelgeschichte 4.8).
Interessant ist auch, dass Johannes unmittelbar nach Petrus genannt wird. Die beiden Männer werden in den Evangelien und in der Apostelgeschichte oft zusammen genannt (Lukas 22.8; Johannes 20.2-8; Apostelgeschichte 3.1; Apostelgeschichte 8.14). Jakobus, der Bruder des Johannes, vervollständigt diese erste Gruppe, die Jesus besonders nahestand (Markus 5.37; Matthäus 17.1; Matthäus 26.37).
Die Reihenfolge der Namen weicht leicht von der der Evangelien ab, doch findet man immer drei Gruppen zu je vier Aposteln, deren Anführer Petrus, Philippus und Jakobus, der Sohn des Alphäus, bleiben (Matthäus 10.2-4). Diese Ordnung könnte widerspiegeln, wie die Zwölf während des Dienstes des Herrn gegliedert waren.
Mehrere dieser Männer hatten sehr unterschiedliche Hintergründe. Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes waren Fischer in Galiläa (Matthäus 4.18-22). Matthäus hatte als Zöllner gearbeitet (Matthäus 9.9). Simon gehörte wahrscheinlich zur nationalistischen Bewegung der Zeloten (Lukas 6.15). Thomas sollte wegen seiner Zweifel bei der Auferstehung bekannt bleiben (Johannes 20.24-29). Trotz ihrer sozialen, kulturellen und teils politischen Unterschiede hatte Jesus sie zu einer Gruppe zusammengeführt, die berufen war, von seiner Auferstehung zu zeugen (Johannes 17.20-21).
Die Anwesenheit der Elf unterstreicht schließlich die Treue Gottes trotz des Abfalls des Judas. Der Apostelkreis ist verwundet, aber nicht zerstört. Diejenigen, die bei der Verhaftung Jesu geflohen waren (Markus 14.50), finden sich nun im Gebet und in der Erwartung der Verheißung des Vaters vereint (Apostelgeschichte 1.14). Wenige Tage später wird der Heilige Geist aus diesen gewöhnlichen Männern die ersten Zeugen des Evangeliums bis an die Enden der Erde machen (Apostelgeschichte 1.8).
Außerdem ist die Liste in Apostelgeschichte 1.13 die letzte vollständige Liste der Apostel im Neuen Testament vor der Wahl des Matthias. Sie ist gewissermaßen das Porträt des Gründungskerns der Gemeinde unmittelbar vor Pfingsten.