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Die endzeitliche Rede auf dem Ölberg

Analyse der endzeitlichen Rede Jesu auf dem Ölberg auf der Grundlage der Evangelien. Jesus spricht von der Zerstörung des Tempels und vom Anbruch der Endzeit und offenbart dabei seine prophetischen Fähigkeiten und die Fortdauer seiner Sendung nach der Kreuzigung. Für Leser, die ihr theologisches Verständnis vertiefen möchten.

7 min eschatologische Rede Ölberg Jesus 8 Verse 4 Bücher

Weiterführende Lektüre

Bibeltexte

Matthäus
Matthäus 24.1-31 ( 1912)

Und Jesus ging hinweg von dem Tempel, und seine Jünger traten zu ihm, daß sie ihm zeigten des Tempels Gebäude.

Jesus aber sprach zu ihnen: Sehet ihr nicht das alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier nicht ein Stein auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde.

Und als er auf dem Ölberge saß, traten zu ihm seine Jünger besonders und sprachen: Sage uns, wann wird das alles geschehen? Und welches wird das Zeichen sein deiner Zukunft und des Endes der Welt?

Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch nicht jemand verführe.

Denn es werden viele kommen unter meinem Namen, und sagen: “Ich bin Christus” und werden viele verführen.

Ihr werdet hören Kriege und Geschrei von Kriegen; sehet zu und erschreckt euch nicht. Das muß zum ersten alles geschehen; aber es ist noch nicht das Ende da.

Denn es wird sich empören ein Volk wider das andere und ein Königreich gegen das andere, und werden sein Pestilenz und teure Zeit und Erdbeben hin und wieder.

Da wird sich allererst die Not anheben.

Alsdann werden sie euch überantworten in Trübsal und werden euch töten. Und ihr müßt gehaßt werden um meines Namens willen von allen Völkern.

Dann werden sich viele ärgern und werden untereinander verraten und werden sich untereinander hassen.

Und es werden sich viel falsche Propheten erheben und werden viele verführen.

und dieweil die Ungerechtigkeit wird überhandnehmen, wird die Liebe in vielen erkalten.

Wer aber beharret bis ans Ende, der wird selig.

Und es wird gepredigt werden das Evangelium vom Reich in der ganzen Welt zu einem Zeugnis über alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Wenn ihr nun sehen werdet den Greuel der Verwüstung (davon gesagt ist durch den Propheten Daniel), daß er steht an der heiligen Stätte (wer das liest, der merke darauf!),

alsdann fliehe auf die Berge, wer im jüdischen Lande ist;

und wer auf dem Dach ist, der steige nicht hernieder, etwas aus seinem Hause zu holen;

und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht um, seine Kleider zu holen.

Weh aber den Schwangeren und Säugerinnen zu der Zeit!

Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter oder am .

Denn es wird alsbald eine große Trübsal sein, wie nicht gewesen ist von Anfang der Welt bisher und wie auch nicht werden wird.

Und wo diese Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Mensch selig; aber um der Auserwählten willen werden die Tage verkürzt.

So alsdann jemand zu euch wird sagen: Siehe, hier ist Christus! oder: da! so sollt ihr's nicht glauben.

Denn es werden falsche Christi und falsche Propheten aufstehen und große Zeichen und Wunder tun, daß verführt werden in dem Irrtum (wo es möglich wäre) auch die Auserwählten.

Siehe, ich habe es euch zuvor gesagt.

Darum, wenn sie zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste! so gehet nicht hinaus, -siehe, er ist in der Kammer! so glaubt nicht.

Denn gleichwie ein Blitz ausgeht vom Aufgang und scheint bis zum Niedergang, also wird auch sein die Zukunft des Menschensohnes.

Wo aber ein Aas ist, da sammeln sich die Adler.

Bald aber nach der Trübsal derselben Zeit werden Sonne und Mond den Schein verlieren, und Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden sich bewegen.

Und alsdann wird erscheinen das Zeichen des Menschensohnes am Himmel. Und alsdann werden heulen alle Geschlechter auf Erden und werden sehen kommen des Menschen Sohn in den Wolken des Himmels mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Und er wird senden seine Engel mit hellen Posaunen, und sie werden sammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von einem Ende des Himmels zu dem anderen.

Markus
Markus 13.1-28 ( 1912)

Und da er aus dem Tempel ging, sprach zu ihm seiner Jünger einer: Meister, siehe, welche Steine und welch ein Bau ist das!

Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Siehst du wohl allen diesen großen Bau? Nicht ein Stein wird auf dem anderen bleiben, der nicht zerbrochen werde.

Und da er auf dem Ölberge saß gegenüber dem Tempel, fragten ihn Petrus, Jakobus und Johannes und Andreas besonders:

Sage uns, wann wird das alles geschehen? Und was wird das Zeichen sein, wann das alles soll vollendet werden?

Jesus antwortete ihnen und fing an, zu sagen: Sehet zu das euch nicht jemand verführe!

Denn es werden viele kommen unter meinem Namen und sagen: “Ich bin Christus!” und werden viele verführen.

Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Kriegsgeschrei, so fürchtet euch nicht. Denn es muß also geschehen; aber das Ende ist noch nicht da.

Es wird sich ein Volk wider das andere empören und ein Königreich wider das andere, und werden Erdbeben geschehen hin und wieder, und wird teure Zeit und Schrecken sein. Das ist der Not Anfang.

Ihr aber, sehet euch vor! Denn sie werden euch überantworten vor die Rathäuser und Schulen; und ihr müßt gestäupt werden, und vor Fürsten und Könige geführt werden um meinetwillen, zu einem Zeugnis über sie.

Und das Evangelium muß zuvor verkündigt werden unter alle Völker.

Wenn sie euch nun führen und überantworten werden, so sorget nicht, was ihr reden sollt, und bedenket auch nicht zuvor; sondern was euch zu der Stunde gegeben wird, das redet. Denn ihr seid's nicht, die da reden, sondern der Heilige Geist.

Es wird aber überantworten ein Bruder den andern zum Tode und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören gegen die Eltern und werden sie helfen töten.

Und ihr werdet gehaßt sein von jedermann um meines Namens willen. Wer aber beharrt bis an das Ende, der wird selig.

Wenn ihr aber sehen werdet den Greuel der Verwüstung (von dem der Prophet Daniel gesagt hat), daß er steht, wo er nicht soll (wer es liest, der merke darauf!), alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe auf die Berge;

und wer auf dem Dache ist, der steige nicht hernieder ins Haus und komme nicht hinein, etwas zu holen aus seinem Hause;

und wer auf dem Felde ist, der wende sich nicht um, seine Kleider zu holen.

Weh aber den Schwangeren und Säugerinnen zu der Zeit!

Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe im Winter.

Denn in diesen Tagen werden solche Trübsale sein, wie sie nie gewesen sind bisher, vom Anfang der Kreatur, die Gott geschaffen hat, und wie auch nicht werden wird.

Und so der HERR diese Tage nicht verkürzt hätte, würde kein Mensch selig: aber um der Auserwählten willen, die er auserwählt hat, hat er auch diese Tage verkürzt.

Wenn nun jemand zu der Zeit wird zu euch sagen: Siehe, hier ist Christus! siehe, da ist er! so glaubet nicht.

Denn es werden sich erheben falsche Christi und falsche Propheten, die Zeichen und Wunder tun, daß sie auch die Auserwählten verführen, so es möglich wäre.

Ihr aber sehet euch vor! Siehe, ich habe es euch alles zuvor gesagt.

Aber zu der Zeit, nach dieser Trübsal, werden Sonne und Mond ihren Schein verlieren,

und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden sich bewegen.

Und dann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in den Wolken mit großer Kraft und Herrlichkeit.

Und dann wird er seine Engel senden und wird versammeln seine Auserwählten von den vier Winden, von dem Ende der Erde bis zum Ende des Himmels.

An dem Feigenbaum lernet ein Gleichnis: wenn jetzt seine Zweige saftig werden und Blätter gewinnen, so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist.

Lukas
Lukas 21.5-24 ( 1912)

Und da etliche sagten von dem Tempel, daß er geschmückt wäre mit feinen Steinen und Kleinoden, sprach er:

Es wird die Zeit kommen, in welcher von dem allem, was ihr sehet, nicht ein Stein auf dem andern gelassen wird, der nicht zerbrochen werde.

Sie fragten ihn aber und sprachen: Meister, wann soll das werden? und welches ist das Zeichen, wann das geschehen wird?

Er aber sprach: Sehet zu, lasset euch nicht verführen. Denn viele werden kommen in meinem Namen und sagen, ich sei es, und: “Die Zeit ist herbeigekommen.” Folget ihnen nicht nach!

Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und Empörungen, so entsetzet euch nicht. Denn solches muß zuvor geschehen; aber das Ende ist noch nicht so bald da.

Da sprach er zu ihnen: Ein Volk wird sich erheben wider das andere und ein Reich wider das andere,

und es werden geschehen große Erdbeben hin und wieder, teure Zeit und Pestilenz; auch werden Schrecknisse und große Zeichen am Himmel geschehen.

Aber vor diesem allem werden sie die Hände an euch legen und euch verfolgen und werden euch überantworten in ihre Schulen und Gefängnisse und vor Könige und Fürsten ziehen um meines Namens willen.

Das wird euch aber widerfahren zu einem Zeugnis.

So nehmet nun zu Herzen, daß ihr nicht sorget, wie ihr euch verantworten sollt.

Denn ich will euch Mund und Weisheit geben, welcher nicht sollen widersprechen können noch widerstehen alle eure Widersacher.

Ihr werdet aber überantwortet werden von den Eltern, Brüdern, Gefreunden und Freunden; und sie werden euer etliche töten.

Und ihr werdet gehaßt sein von jedermann um meines Namens willen.

Und ein Haar von eurem Haupte soll nicht umkommen.

Fasset eure Seelen mit Geduld.

Wenn ihr aber sehen werdet Jerusalem belagert mit einem Heer, so merket daß herbeigekommen ist seine Verwüstung.

Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe auf das Gebirge, und wer drinnen ist, der weiche heraus, und wer auf dem Lande ist, der komme nicht hinein.

Denn das sind die Tage der Rache, daß erfüllet werde alles, was geschrieben ist.

Weh aber den Schwangern und Säugerinnen in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden sein und ein Zorn über dies Volk,

und sie werden fallen durch des Schwertes Schärfe und gefangen geführt werden unter alle Völker; und Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis daß der Heiden Zeit erfüllt wird.

Technische Einzelheiten

Jahr 33

Ort: Der gegenüber von Jerusalem

Datum: Mittwoch, 30. März 33, am Abend

Vorgehensweise: Wir wechseln zu Markus

Anmerkung zum Vorgehen: Matthäus und Lukas überliefern diese Rede ebenfalls

Karte von Jerusalem und Umgebung
Balkendiagramm Mittwoch

Jesus, der Messias, hält auf dem eine Rede über die Endzeit.

Kommentare

Matthäus hebt hervor, dass der Meister diese Rede im Privaten hielt (Matthäus 24.3). Die Menge, die in Jerusalem geblieben war, glaubte wohl, er kehre einfach nach Betanien zurück und es werde nichts Besonderes geschehen.

Markus nennt seinerseits die Namen derer, die die Frage stellten: Petrus, Jakobus, Johannes und Andreas (Markus 13.3). Das schließt nicht aus, dass auch andere die Antwort hörten. Die Rede findet also in einem vertrauten und ruhigen Rahmen statt, fern von öffentlichen Debatten und Auseinandersetzungen mit den religiösen Autoritäten.

Der Anblick des prächtigen herodianischen Tempels löst das Gespräch und die Reihe von Fragen der vier Jünger aus. Jesus, der Messias, kündigt deutlich schwere Zeiten und die Zerstörung dieses herrlichen Bauwerks an, das seiner Ansicht nach kein wahres Bethaus mehr war (Markus 11.17). Die Jünger verbinden diese Ankündigung nun mit dem Kommen des Messias und dem Ende der Zeiten; sie begreifen dabei eher die Aussicht auf die Zerstörung des Tempels als die auf sein glorreiches Kommen.

Um die Tragweite dieser Worte zu erfassen, muss man an zwei Dinge erinnern: Erstens haben Kreuzigung und Auferstehung noch nicht stattgefunden; den Jüngern fällt es noch schwer, sich den Sieg des Meisters über den Tod vorzustellen.

Zweitens wurden diese Berichte nach den Ereignissen niedergeschrieben, im Licht dessen, was die Verfasser erlebt und danach verstanden hatten. Die endzeitlichen Aussagen Jesu, des Messias, werden daher durch das Prisma der Geschichte und des entstehenden Glaubens neu gelesen.

Das Argument, diese Texte seien erst nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 geschrieben worden und gingen nicht auf ein prophetisches Wort zurück, erscheint angesichts der zahlreichen Machterweise Jesu, des Messias, und seiner Kenntnis der Herzen als unbegründet (Johannes 2.24-25).

Auch wenn es unser menschliches Verständnis übersteigt, besaß der Meister die Fähigkeit, bestimmte künftige Ereignisse wahrzunehmen und die Gedanken seiner Gesprächspartner zu durchschauen. So beschränkt sich seine Rede nicht auf die Ankündigung des Untergangs des Tempels; sie umfasst auch die Verheißung seiner Wiederkunft und die Aussicht auf das Ende der Zeiten (Matthäus 24.30-31).