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Die Fragen der Fremden an den Messias Jesus

Eine Episode, die nur bei Johannes steht (Johannes 12.20-50), am Dienstag der Karwoche im Vorhof der Heiden angesiedelt. Griechen möchten Jesus sehen, was die Ankündigung der Stunde seiner Verherrlichung auslöst. Im Bild des Weizenkorns offenbart Jesus, dass sein Tod die Quelle universalen Lebens ist. Das Kreuz wird als herrliche Erhöhung dargestellt, die alle Menschen zu ihm zieht und das Heil allen Völkern öffnet.

16 min Fragen der Fremden Griechen im Tempel Johannes 12 Verherrlichung des Sohnes Weizenkorn 20 Verse 2 Bücher

Weiterführende Lektüre

Bibeltexte

Matthäus
Matthäus ( 1912) im Buch nicht erwähnt
Markus
Markus ( 1912) im Buch nicht erwähnt
Lukas
Lukas ( 1912) im Buch nicht erwähnt
Johannes
Johannes 12.20-50 ( 1912)

Es waren aber etliche Griechen unter denen, die hinaufgekommen waren, daß sie anbeten auf dem Fest.

Die traten zu Philippus, der von Bethsaida aus Galiläa war, baten ihn und sprachen: Herr, wir wollten Jesum gerne sehen.

Philippus kommt und sagt es Andreas, und Philippus und Andreas sagten's weiter Jesus.

Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Zeit ist gekommen, daß des Menschen Sohn verklärt werde.

Wahrlich, wahrlich ich sage euch: Es sei denn, daß das Weizenkorn in die Erde falle und ersterbe, so bleibt's allein; wo es aber erstirbt, so bringt es viele Früchte.

Wer sein Leben liebhat, der wird's verlieren; und wer sein Leben auf dieser Welt haßt, der wird's erhalten zum ewigen Leben.

Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Jetzt ist meine Seele betrübt. Und was soll ich sagen? Vater, hilf mir aus dieser Stunde! Doch darum bin ich in die Welt gekommen.

Vater verkläre deinen Namen! Da kam eine Stimme vom Himmel: Ich habe ihn verklärt und will ihn abermals verklären.

Da sprach das Volk, das dabeistand und zuhörte: Es donnerte. Die andern sprachen: Es redete ein Engel mit ihm.

Jesus antwortete und sprach: Diese Stimme ist nicht um meinetwillen geschehen, sondern um euretwillen.

Jetzt geht das Gericht über die Welt; nun wird der Fürst dieser Welt ausgestoßen werden.

Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen.

(Das sagte er aber, zu deuten, welches Todes er sterben würde.)

Da antwortete ihm das Volk: Wir haben gehört im Gesetz, daß Christus ewiglich bleibe; und wie sagst du denn: “Des Menschen Sohn muß erhöht werden”? Wer ist dieser Menschensohn?

Da sprach Jesus zu ihnen: Es ist das Licht noch eine kleine Zeit bei euch. Wandelt, dieweil ihr das Licht habt, daß euch die Finsternis nicht überfalle. Wer in der Finsternis wandelt, der weiß nicht, wo er hingeht.

Glaubet an das Licht, dieweil ihr es habt, auf daß ihr des Lichtes Kinder seid.

Solches redete Jesus und ging weg und verbarg sich vor ihnen. Und ob er wohl solche Zeichen vor ihnen getan hatte, glaubten sie doch nicht an ihn,

auf daß erfüllet werde der Spruch des Propheten Jesaja, den er sagte: “HERR, wer glaubt unserm Predigen? Und wem ist der Arm des HERRN offenbart?”

Darum konnten sie nicht glauben, denn Jesaja sagte abermals:

“Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, daß sie mit den Augen nicht sehen noch mit dem Herzen vernehmen und sich bekehren und ich ihnen hülfe.”

Solches sagte Jesaja, da er seine Herrlichkeit sah und redete von ihm.

Doch auch der Obersten glaubten viele an ihn; aber um der Pharisäer willen bekannten sie's nicht, daß sie nicht in den Bann getan würden.

Denn sie hatten lieber die Ehre bei den Menschen als die Ehre bei Gott.

Jesus aber rief und sprach: Wer an mich glaubt, der glaubt nicht an mich, sondern an den, der mich gesandt hat.

Und wer mich sieht, der sieht den, der mich gesandt hat.

Ich bin gekommen in die Welt ein Licht, auf daß, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.

Und wer meine Worte hört, und glaubt nicht, den werde ich nicht richten; denn ich bin nicht gekommen, daß ich die Welt richte, sondern daß ich die Welt selig mache.

Wer mich verachtet und nimmt meine Worte nicht auf, der hat schon seinen Richter; das Wort, welches ich geredet habe, das wird ihn richten am Jüngsten Tage.

Denn ich habe nicht von mir selber geredet; sondern der Vater, der mich gesandt hat, der hat mir ein Gebot gegeben, was ich tun und reden soll.

Und ich weiß, daß sein Gebot ist das ewige Leben. Darum, was ich rede, das rede ich also, wie mir der Vater gesagt hat.

Technische Einzelheiten

Jahr 33

Ort: Der Vorhof der Heiden des Tempels von Jerusalem

Datum: Dienstag, 29. März 33 n. Chr.

Vorgehensweise: Wir kehren nun zu Johannes zurück

Anmerkung zum Vorgehen: Johannes ist der Einzige, der diese Episode berichtet

Karte von Jerusalem und Umgebung
Balkendiagramm Dienstag, 29. März

Jesus, der Messias, beantwortet die Fragen von Fremden.

Kommentare

Diese nur von Johannes berichtete Szene spielt im Vorhof der Heiden, denn es sind Fremde, höchstwahrscheinlich Griechen, die Jesus, den Messias, befragen. Sie sprachen ihn nicht direkt an, vermutlich aus Respekt, baten aber seine Jünger, insbesondere Philippus, um ein Gespräch.

Johannes gibt als Detail an, dass Philippus aus in Galiläa stammte. In diesem Grenzdorf lebten Juden und Heiden nebeneinander, sodass Philippus, dessen Name griechisch ist, sich im Umgang mit diesen Nichtjuden sehr wohlfühlte. Vielleicht war er es sogar, der diesen Kontakt begünstigt hat.

Die Stelle Johannes 12.20-50 markiert einen entscheidenden Wendepunkt im vierten Evangelium. Unmittelbar nach dem triumphalen Einzug Jesu in Jerusalem gelegen, bildet sie die letzte öffentliche Rede vor der Passion. Die Episode beginnt mit der Ankunft von Griechen, die während des Festes anbeten wollten (Johannes 12.20-22) – ein einzigartiges und zutiefst symbolisches Detail: Nichtjuden nähern sich dem Messias Israels. Das Johannesevangelium sieht darin eine Ankündigung des universalen Charakters des Heils, das nun allen Völkern offensteht.

Ihre Bitte – „Wir möchten Jesus sehen“ – leitet eine zentrale Erklärung ein: „Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde“ (Johannes 12.23). Bis dahin hatte Jesus wiederholt gesagt, dass seine Stunde noch nicht gekommen sei (Johannes 2.4; Johannes 7.30; Johannes 8.20). Die Ankunft der Griechen markiert somit den eschatologischen Auslöser: Die Zeit der Verherrlichung ist gekommen, das heißt die Stunde des Kreuzes, hier verstanden als Erhöhung und Offenbarung. Bei Johannes ist das Kreuz nicht nur eine Hinrichtung: Es ist der Augenblick, in dem sich die Herrlichkeit Gottes im Gehorsam des Sohnes offenbart (Johannes 17.1).

Jesus veranschaulicht diese Wahrheit mit dem Bild des Weizenkorns (Johannes 12.24). Das Korn muss sterben, um Frucht zu bringen: So wird der Tod Christi zum Lebensprinzip für die Welt. Dieses landwirtschaftliche Thema bringt das Geheimnis der Fruchtbarkeit des Opfers zum Ausdruck: Nur indem es in die Erde fällt, indem es sich dem Tod hingibt, vervielfältigt sich das göttliche Leben. Der Aufruf in V. 25 führt diese Logik weiter: Wer sein Leben liebt, verliert es; wer es aber in dieser Welt hasst, wird es zum ewigen Leben bewahren. Der Jünger ist eingeladen, denselben paradoxen Weg des Verzichts und des völligen Vertrauens zu gehen.

Im Folgenden (Johannes 12.27-33) führt Johannes eine dramatische Szene ein, in der Jesus, erschüttert, seine Angst vor der nahenden Stunde ausspricht. Dieses Gebet erinnert an die Gethsemane-Episode, von der die Synoptiker berichten, doch Johannes siedelt es öffentlich an, nicht in einem Garten. Gegenstand des Gebets ist nicht die Vermeidung des Leidens, sondern die Verherrlichung des Namens des Vaters. Eine Stimme vom Himmel antwortet: „Ich habe ihn verherrlicht und werde ihn wieder verherrlichen.“ Diese Theophanie erinnert an die Taufe und die Verklärung, erhält hier aber eine soteriologische Dimension: Der Vater bestätigt das Werk seines Sohnes.

Die Ankündigung von:

Johannes 12.32 ( 1912) :
Und ich, wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich sie alle zu mir ziehen.

Dieser Vers verdichtet den theologischen Sinn der Stelle. Die Erhöhung (ἐψώθην) ist zugleich Kreuzigung, Auferstehung und Erhöhung zur Herrlichkeit. Johannes verbindet diese drei Dimensionen, um das Kreuz als den herrlichen Augenblick darzustellen, in dem Christus zum universalen Anziehungspunkt wird. Der Ausdruck „alle Menschen“ klingt im Echo des Kommens der Griechen nach: Das Kreuz ist die Eingangstür der ganzen Welt zum Heil.

Johannes 12.34-36 berichtet die Reaktion der Menge, die in ihren irdischen messianischen Erwartungen gefangen bleibt: Wie könnte der Messias sterben, wo ihn die Schrift doch als ein Dasein führend darstellt? Jesus, der Messias, antwortet nicht direkt, sondern fordert sie auf, an das Licht zu glauben, solange es noch unter ihnen ist. Diese führt die johanneischen Themen der leuchtenden Offenbarung fort (vgl. Johannes 8.12): Das Licht abzulehnen heißt, in die Finsternis zu versinken.

Der letzte Abschnitt (Johannes 12.37-50) bildet einen theologischen Abschluss des öffentlichen Wirkens. Johannes kommentiert dort die Blindheit Israels gegenüber den Zeichen. Trotz der Wunder glauben viele nicht und erfüllen so die Prophezeiung Jesajas:

Jesaja 6.10 ( 1912) :
Verstocke das Herz dieses Volkes und laß ihre Ohren hart sein und blende ihre Augen, daß sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich bekehren und genesen.

Johannes 12.40 ( 1912) :
“Er hat ihre Augen verblendet und ihr Herz verstockt, daß sie mit den Augen nicht sehen noch mit dem Herzen vernehmen und sich bekehren und ich ihnen hülfe.”

Johannes betont die geistliche Verantwortung für die Ablehnung, aber auch das Geheimnis des göttlichen Ratschlusses. Einige glauben dennoch, besonders unter den Obersten, bleiben aber in der Furcht vor dem Ausschluss. Diese Spannung zwischen zaghaftem Glauben und offenem Unglauben veranschaulicht die Vielschichtigkeit des Verhältnisses zu Christus im Evangelium.

Die Rede schließt mit einer christologischen Zusammenfassung (Johannes 12.44-50): An Jesus zu glauben heißt, an Gott zu glauben, der ihn gesandt hat. Seine Sendung ist erleuchtend: Er ist als Licht in die Welt gekommen, um zu retten, nicht um zu richten (Johannes 12.46-47, Johannes 3.17). Das Gericht kommt erst in zweiter Linie, als Folge der Ablehnung des Wortes. Die abschließende Offenbarung verbindet also Glauben, Licht und Leben: Wer Christus aufnimmt, tritt in das Licht; wer ihn verwirft, schließt sich selbst vom Leben aus.

Schlussfolgerung

Johannes 12.20-50 ist ein erzählerisches und theologisches Scharnier. Es ist zugleich das Ende des öffentlichen Wirkens und die Schwelle zur Passion. Der Ruf der Griechen symbolisiert die Öffnung des Heils für alle Völker; das Kreuz wird als der wahre Ort der Herrlichkeit verkündet; und die abschließende Antwort des Volkes konfrontiert jeden mit der letzten Frage: zu glauben oder das Licht abzulehnen. Diese Seite bündelt auf wenigen Versen die gesamte johanneische Theologie: Die Herrlichkeit Gottes offenbart sich in der Liebe, die sich bis in den Tod hingibt.