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Das Gleichnis von den zwei Söhnen

Das Gleichnis von den zwei Söhnen (Mt 21,28-32), nur bei Matthäus überliefert, spielt im Tempel von Jerusalem in der letzten Woche Jesu. Es stellt zwei Haltungen gegenüber: versprechen, ohne zu handeln, versus sich weigern und dann gehorchen. Jesus entlarvt darin die Heuchelei der religiösen Führer und kündigt an, dass die umkehrenden Sünder vor ihnen in das Reich eingehen. Ein universaler Ruf zu Demut und aufrichtiger Umkehr.

11 min Gleichnis von den zwei Söhnen Matthäus 21 Umkehr Reich Gottes Pharisäer 14 Verse 5 Bücher

Weiterführende Lektüre

Bibeltexte

Matthäus
Matthäus 21.28-32 ( 1912)

Was dünkt euch aber? Es hatte ein Mann zwei Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn, gehe hin und arbeite heute in meinem Weinberg.

Er antwortete aber und sprach: Ich will's nicht tun. Darnach reute es ihn und er ging hin.

Und er ging zum andern und sprach gleichalso. Er antwortete aber und sprach: Herr, ja! -und ging nicht hin.

Welcher unter den zweien hat des Vaters Willen getan? Sie sprachen zu ihm: Der erste. Jesus sprach zu ihnen: Wahrlich ich sage euch: Die Zöllner und Huren mögen wohl eher ins Himmelreich kommen denn ihr.

Johannes kam zu euch und lehrte euch den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und ob ihr's wohl sahet, tatet ihr dennoch nicht Buße, daß ihr ihm darnach auch geglaubt hättet.

Markus
Markus ( 1912) im Buch nicht erwähnt
Lukas
Lukas ( 1912) im Buch nicht erwähnt
Johannes
Johannes ( 1912) im Buch nicht erwähnt

Technische Einzelheiten

Jahr 33 n. Chr.

Ort: Der Vorhof des Tempels von Jerusalem

Datum: Dienstag, 29. März 33 n. Chr.

Vorgehensweise: Wir begegnen wieder Matthäus

Anmerkung zum Vorgehen: Matthäus ist der Einzige, der diese Rede berichtet

Karte von Jerusalem und Umgebung
Balkendiagramm Dienstag, 29. März

Der Messias Jesus verkündet der aufmerksamen Menge ein von zwei Söhnen.

Kommentare

Matthäus allein unter den Evangelisten schenkt uns diese Zeilen von seltener Eindringlichkeit. Sein Blick dringt in das Herz der religiösen Männer seiner Zeit: Hüter des Gesetzes, selbstsicher, aber blind für das Licht. Mit seinen Worten enthüllt Matthäus eine unbequeme Wahrheit: Die Botschaft des Reiches ist keine Schmeichelei für die Mächtigen, sondern ein dringender Ruf zur Umkehr, auch für jene, die schon alles über Gott zu wissen glauben.
Matthäus 21.28-32

Das Urteil, das Jesus ausspricht, ist nicht das eines unerbittlichen Richters, sondern das eines Arztes, den der Unglaube seiner Patienten schmerzt. Er schließt die Tür nicht; im Gegenteil, er lässt sie weit offen. Dennoch kündigt er an, dass andere zuerst hineingehen werden: die umkehrenden Sünder, die Zöllner und die Huren, jene verachteten Seelen, die dennoch die Barmherzigkeit mit zerbrochenem Herzen aufgenommen haben.
Matthäus 21.31

Die stolzen Gesetzeslehrer werden nicht ausgeschlossen, aber sie werden erst eintreten, nachdem sie ihren Irrtum eingesehen haben, in der Demut aufrichtiger Umkehr.
Lukas 18.9-14

Sie begreifen nun, dass in dem von den zwei Söhnen der zweite Sohn, derjenige, der versprochen, aber nicht gehorcht hat, sie selbst sind. Sie bekannten sich zu Gott, weigerten sich aber, seinen Willen zu tun, als der Sohn selbst vor ihnen stand.
Matthäus 21.30

Die Szene ist ergreifend. Um Jesus drängt sich die Menge: einfache Männer und Frauen, deren Gesichter vom Leben gezeichnet sind, spitzen die Ohren. Sie verstehen. Sie spüren die Sanftmut und die Kraft, die von seiner Stimme ausgehen.
Und während die im Stillen empört sind, freut sich das Volk, die Wahrheit hell und befreiend aufleuchten zu sehen. Diese Religiösen, die sich so sicher waren, die Führer Israels zu sein, sind entlarvt. Sie hatten lehren wollen, und nun werden sie belehrt.
Markus 12.37

Im selben Hauch des Geistes weitet Matthäus diese Offenbarung über den Augenblick hinaus aus. In seinem 13. Kapitel versammelt er sechs Gleichnisse, kostbare Juwelen, die der Betrachtung der Gläubigen dargeboten werden.

Der Sämann, geduldig und großzügig, der das Wort auf jedes Erdreich streut, gutes wie schlechtes.
Matthäus 13.3-23

Das Unkraut unter dem Weizen, das daran erinnert, dass das Gericht allein Gott gehört.
Matthäus 13.24-30

Das Senfkorn und der Sauerteig, Sinnbilder eines Reiches, das unauffällig und doch unaufhaltsam ist und in der Stille wächst.
Matthäus 13.31-33

Der verborgene Schatz und die kostbare Perle, Bilder der Freude dessen, der das wahre Gut entdeckt und alles aufgibt, um es zu besitzen.
Matthäus 13.44-46

Das ins Meer geworfene Netz, das allerlei Fische sammelt bis zu dem Tag, an dem die Gerechtigkeit die Gerechten von den Ungerechten scheiden wird.
Matthäus 13.47-50

Diese Gleichnisse sind wie der Herzschlag des Reiches Gottes.
Sie lehren, dass das Heil weder durch Geburt noch durch Wissen noch durch scheinbare Vollkommenheit erlangt wird, sondern durch Demut, Glauben und das Hören auf den Meister.
Johannes 3.16-17
Römer 10.9-10

Denn im Schweigen des umkehrenden Herzens beginnt die wahre Reise zum Reich.
Matthäus 5.3