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Der Tod des Judas

Aus historischer und exegetischer Sicht besteht nicht zwingend ein Widerspruch zwischen den Berichten des Matthäus und der Apostelgeschichte. Die beiden Autoren beschreiben…

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Der Tod des Judas

Aus historischer und exegetischer Sicht besteht nicht zwingend ein Widerspruch zwischen den Berichten des Matthäus und der Apostelgeschichte. Die beiden Autoren beschreiben wahrscheinlich verschiedene Aspekte desselben Ereignisses.

1- Der Bericht des Matthäus: das Erhängen

Matthäus schreibt einfach:

„Er ging weg und erhängte sich“ (Matthäus 27.5).

Seine Absicht ist es, die Verzweiflung des Judas zu zeigen, nachdem er den religiösen Führern die dreißig Silberstücke zurückgegeben hatte.

2- Der Bericht der Apostelgeschichte: der Sturz des Körpers

Petrus erklärt:

„Er stürzte vornüber, platzte mitten entzwei, und alle seine Eingeweide quollen heraus“ (Apostelgeschichte 1.18).

Lukas sagt nicht ausdrücklich, dass Judas sich durch den Sturz das Leben nahm. Er beschreibt lediglich den Zustand, in dem sein Körper nach einem heftigen Sturz gefunden wurde.

3- Eine mögliche Harmonisierung

Die seit der Antike meist vertretene Lösung lautet:

  1. Judas erhängt sich (Matthäus 27.5).
  2. Sein Körper bleibt eine gewisse Zeit hängen.
  3. Das Seil oder, wahrscheinlicher, der Ast, an dem es befestigt war, gibt nach.
  4. Der Körper stürzt an einer abschüssigen Stelle hinab und reißt durch den Aufprall auf (Apostelgeschichte 1.18).

So berichtet Matthäus die Todesursache, während Lukas beschreibt, was danach mit dem Leichnam geschah.

4- Die alten Zeugnisse

Papias von Hierapolis kannte bereits mehrere Überlieferungen über das Ende des Judas, was zeigt, dass diese Episode schon sehr früh Diskussionen unter den Christen ausgelöst hat. Später sah auch Augustinus von Hippo die beiden Berichte als einander ergänzend und nicht als widersprüchlich an.

5- Eine andere sprachliche Erklärung

Manche Fachleute weisen darauf hin, dass das in (Apostelgeschichte 1.18) verwendete Verb einfach einen Sturz nach vorn beschreiben könnte, ohne die Ursache zu nennen. Lukas wolle also nicht den Selbstmord des Judas erzählen, der seinen Lesern schon bekannt war, sondern nur die spektakuläre Folge dieses Todes.

6- Das Problem des „von Judas erworbenen Ackers“

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass Matthäus sagt, die Hohenpriester hätten den Acker gekauft (Matthäus 27.7-8), während Petrus sagt, Judas habe dieses Grundstück erworben (Apostelgeschichte 1.18). Auch hier lassen sich die beiden Aussagen in Einklang bringen: Das Grundstück wurde mit dem Geld gekauft, das Judas gehörte, sodass es rechtlich als sein Erwerb gelten konnte.

Schlussfolgerung

Es ist also möglich, Folgendes anzunehmen:

  • Matthäus berichtet den Selbstmord durch Erhängen;
  • Lukas berichtet die Entdeckung des Körpers nach seinem Sturz;
  • Die beiden Berichte sind nicht zwingend unvereinbar, sondern setzen den Akzent auf unterschiedliche Einzelheiten.

Hätten die Autoren eine harmonisierte Geschichte erfinden wollen, hätten sie wahrscheinlich genau dieselbe Version geliefert. Dass jeder seine eigene Perspektive beibehält, ist vielmehr ein typisches Merkmal unabhängiger Zeugnisse, wie man sie häufig in den Evangelien und in der Apostelgeschichte findet.