Analyse Vers für Vers
Johannes 9.35
Text: „Jesus hörte, dass sie ihn ausgestoßen hatten. Und als er ihn gefunden hatte, sprach er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?“ Analyse:
Messias Jesus ergreift die Initiative, den geheilten Blinden aufzusuchen, der von den religiösen Autoritäten verstoßen wurde.
Die Verstoßung aus der wird zum Anlass für eine innigere Begegnung mit Jesus.
Die gestellte Frage – „Glaubst du an den Menschensohn?“ – führt das zentrale Thema des Glaubens ein und offenbart die messianische Identität Jesu (Johannes 1.51, Johannes 3.13).
Johannes unterstreicht, dass die körperliche Heilung nicht genügt: Es braucht die geistliche Heilung durch den Glauben.
Johannes 9.36
Text: „Er antwortete: Und wer ist es, Herr, damit ich an ihn glaube?“ Analyse:
Der Blinde zeigt Offenheit und innere Bereitschaft.
Der Begriff „Herr“ (κύριε) kann respektvoll gemeint sein, bereitet aber bereits das Glaubensbekenntnis vor.
Johannes zeigt die Entwicklung: von der leiblichen Heilung zur Suche nach der geistlichen Wahrheit.
Der Mann ist bereit zu glauben, braucht aber Offenbarung (Johannes 4.25-26).
Johannes 9.37
Text: „Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn gesehen, und der mit dir redet, der ist es.“ Analyse:
Die Offenbarung ist direkt und persönlich: Jesus gibt sich als der Menschensohn zu erkennen.
Der Gegensatz ist stark: Wer blind war, „sieht“ nun den Messias.
Johannes betont das Erkennen durch Sehen und Hören: Jesus zu sehen und zu hören ist der Schlüssel zum Glauben (Johannes 14.9).
Die johanneische Christologie konzentriert sich auf die persönliche Offenbarung Jesu.
Johannes 9.38
Text: „Da sagte er: Ich glaube, Herr. Und er warf sich vor ihm nieder.“ Analyse:
Das Glaubensbekenntnis ist ausdrücklich: „Ich glaube“.
Die Geste der Anbetung (proskunein) zeigt, dass Jesus als der göttlichen Verehrung würdig anerkannt wird.
Johannes unterstreicht, dass wahres Sehen zur Anbetung führt.
Dieser Vers ist ein erzählerischer Höhepunkt: Der Blinde wird zum Jünger, im Gegensatz zu den ungläubigen (Johannes 20.28).
Johannes 9.39
Text: „Dann sprach Jesus: Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, damit die, die nicht sehen, sehend werden, und die, die sehen, blind werden.“ Analyse:
Messias Jesus legt die theologische Tragweite des Ereignisses dar: Sein Kommen bewirkt eine Unterscheidung, eine Scheidung.
Das Paradox: Die Demütigen empfangen das Licht, die Anmaßenden werden blind.
Johannes verbindet Heilung und Gericht: Das Licht offenbart die Herzen (Johannes 3.19-21).
Das „Gericht“ ist nicht nur eschatologisch, sondern schon in der Begegnung mit Jesus gegenwärtig.
Johannes 9.40
Text: „Einige der , die bei ihm waren, hörten das und sprachen zu ihm: Sind denn auch wir blind?“ Analyse:
Die verstehen, dass das Wort ihnen gilt.
Ihre ironische Frage offenbart ihren geistlichen Stolz.
Johannes zeigt, dass der Widerstand gegen Jesus keine Unwissenheit, sondern bewusste Ablehnung ist (Johannes 8.41).
Der Gegensatz zwischen dem geheilten Blinden und den ungläubigen ist maximal.
Johannes 9.41
Text: „Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wäret, hättet ihr keine Sünde. Nun aber sagt ihr: Wir sehen! Darum bleibt eure Sünde.“ Analyse:
Jesus unterscheidet zwischen unfreiwilliger Unwissenheit und dem Anspruch, zu wissen.
Die Sünde bleibt, weil sie die Offenbarung ablehnen und dennoch zu sehen behaupten.
Johannes betont: Die wahre Schuld ist die Weigerung, an Jesus zu glauben (Johannes 15.22).
Der Schluss verstärkt das johanneische Thema: Das Licht ist gegeben, kann aber abgelehnt werden.
Zusammenfassung
Johannes baut einen dramatischen Gegensatz auf: Der geheilte Blinde schreitet zu Glauben und Anbetung voran, während die immer tiefer in die geistliche Blindheit versinken.
Die Erzählung veranschaulicht die Sendung Jesu: den Demütigen das Augenlicht zu geben und die Blindheit der Stolzen aufzudecken.
Der Gedanke des Johannes ist klar: Wahres Sehen ist der Glaube an Jesus als den Menschensohn, und wahre Blindheit ist die Ablehnung dieser Offenbarung.